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Kommentar zum Bericht im Mordfall Litwinenko: Vergiftetes Klima

Ein Untersuchungsbericht zum Mordfall Litwinenko 2006 in London belastet den russischen Präsidenten. Er habe die Tat gebilligt, heißt es. Dazu ein Kommentar unseres Redakteurs Wolfgang Blieffert.

Es war ein langsamer und qualvoller Tod, den der mit radioaktivem Polonium-210 vergiftete Kreml-Gegner Alexander Litwinenko 2006 in London starb. Das ist aber auch fast schon das einzige, was in diesem Mordfall sicher ist.

Auch der britische Untersuchungsbericht hat nur Indizien zusammentragen können, Beweise musste er schuldig bleiben. Deshalb wimmelt es in dem Report von Richter Robert Owen von Spekulationen: Wahrscheinlich erfolgte der Mord im Auftrag des russischen Geheimdienstes FSB, wahrscheinlich wurde er vom damaligen FSB-Chef gutgeheißen und wahrscheinlich auch von Präsident Wladimir Putin. Diese Wahrscheinlichkeits-Sammlung mag Litwinenkos Angehörige zufriedenstellen, die stets Putin des Mordes bezichtigt hatten. Sie wird aber kaum ausreichen, die britische Regierung zu Sanktionen gegen Moskau zu bewegen.

Dennoch bleiben die russischen Geheimdienste natürlich unter Verdacht. Zuviele Gegner des Putin-Systems sind schon eines ungeklärten Todes gestorben: Die Menschenrechtlerin Anna Politkowskaja 2006, der Unternehmer Boris Beresowski 2013 und der Wirtschaftspolitiker Boris Nemzow vor einem Jahr waren nur die Prominentesten, von vielen anderen sind die Namen nur ausgewiesenen Russland-Kennern ein Begriff. Sie alle aber starben in einem innenpolitisch vergifteten Klima, das Gewalt gegen die Gegner Putins geradezu fördert.

Lesen Sie dazu auch:

- Putin soll Giftmord an Litwinenko gebilligt haben

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