Kommentar zum Besuch von Alexis Tsipras in Moskau: Treffen der Verlierer

Russland will Griechenland mit Investitionen und Hunderten Millionen für einen künftigen Gastransit unter die Arme greifen. Ein Kommentar dazu von Hagen Strauß.

Man kann es dem griechischen Regierungschef Tsipras nicht verübeln, dass er sein Heil und das seines Landes auch in Russland sucht. Das Wasser reicht den Griechen ökonomisch wie finanziell bis zum Hals. Nur, in Russland steht es auch nicht gerade zum Besten. Das Treffen war ein Treffen der Verlierer. Wirklich durchgreifend helfen können beide sich nicht - das kann vermutlich nur der Rest Europas.

Deswegen hat die Begegnung vor allem symbolischen Charakter gehabt, sie war ein Muskelspiel. Das entspricht der bisherigen politischen Linie der neuen griechischen Regierung, die Putin, persona non grata in Europa, dankbar aufgreift. Und weil das so ist, muss die Europäische Union auch nicht über jedes Stöckchen springen, das ihr die Griechen hinhalten.

Vereinbart wurde zudem nichts, was Brüssel erzürnen müsste. Wenn Russland für Griechenland das Embargo gegenüber EU-Agrarprodukten lockern will, dann mag das der griechischen Wirtschaft helfen und ein Ärgernis für deutsche Bauern sein. Aber damit sind die Probleme Athens längst nicht beseitigt. Die von Russland übrigens auch nicht. Und vieles steht nur auf dem Papier, wie die Pläne im Energiebereich, die Pipeline- und Gasvorhaben. Tsipras gestriger Auftritt lässt nicht vermuten, dass er künftig in Brüssel als Trojanisches Pferd für Putin agieren wird. Vorerst jedenfalls.

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