Kommentar zu BGH-Urteil: Praxis der Reiseveranstalter aus dem Ruder gelaufen

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Hohe Stornogebühren und heftige Anzahlungen für Reisen sind ein Ärgernis. Der Bundesgerichtshof hat den Verbrauchern jetzt den Rücken gestärkt. Denn die Reiseveranstalter hatten es übertrieben, meint HNA-Redakteurin Barbara Will.

Dass Reiseveranstalter schon vor dem Trip Geld sehen wollen, ist einzusehen. Schließlich müssen auch sie Fluggesellschaften und Hotels vorab bezahlen. Auch Stornogebühren sind gerechtfertigt. Ihr Verbot ginge zu Lasten der Verbraucher, denn jeder Reiseveranstalter würde Verluste durch abgesprungene Kunden mit Preiserhöhungen abfangen.

Im Prinzip ist das alles in Ordnung, in der Praxis aber aus dem Ruder gelaufen. Dass der BGH, wie schon seine Vorinstanzen, hier den Verbrauchern den Rücken stärkt, ist nur konsequent. Reiseveranstalter verkaufen eine zukünftige Leistung. Bis sie fällig wird, kann einiges schief gehen. Das gehört jedoch zum allgemeinen Geschäftsrisiko. Es gibt keinen Grund, dieses zum größten Teil auf den Kunden abzuwälzen.

Hinzu kommt: Hohe Anzahlungen und Restzahlungen lange vor Reiseantritt nehmen dem Kunden ein Druckmittel aus der Hand, wenn der Veranstalter Leistungen nachträglich ändert. Der BGH macht hier nicht nur Vorgaben, sondern lässt auch begründete Ausnahmen zu. Er verordnet damit den Reiseveranstaltern kein neues Geschäftsmodell – aber mehr Transparenz und mehr Fairness gegenüber den Kunden.

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