Kommentar zu Jan Böhmermann: Nicht alles ist Satire

Was darf Satire? Unvergessen ist die Antwort, die der Schriftsteller Kurt Tucholsky 1919 auf diese Frage gab: Satire darf alles. Aber nicht alles ist Satire.

Für Tucholsky war selbstverständlich, dass Satire mehr ist als nur ein Späßchen am Rande oder Grobianismus, mit dem hierzulande etwa ein Oliver Pocher gefiel. Für Tucholsky wie für alle großen Satiriker war die Freiheit der Satire nie nur die Freiheit von etwas, sondern die Freiheit zu etwas.

Aber wozu?

Die wichtigste Antwort darauf lautet: Satire ist Kritik. Sie richtet sich gegen Starke, nicht gegen Schwache. Satire steht auf Seiten der Opfer, sie ist eine auf den Punkt gebrachte Argumentation, erst recht, wenn sie karikiert. Die berühmten Mohammed-Karikaturen kritisierten beispielsweise den Missbrauch des Islams zu Lasten tausender unschuldiger Attentatsopfer.

Aber was kritisiert Böhmermann mit seiner Erdogan-Beschimpfung? Die bezeugte zwar erkennbar einen äußerst angestrengten Willen, dem türkischen Präsidenten alles Böse und Lächerliche an den Kopf zu werfen, was der Comedian sich offenbar so gegenüber einem Türken vorstellen kann. Doch noch so viele Schmähungen ergeben keine Satire, nicht einmal Polemik. Pöbelei bleibt Pöbelei.

Böhmermann ist unter seinen Möglichkeiten geblieben. Das ist wohl schon das Beste, was man über den Possenreißer sagen kann. Dass er nun ausgerechnet im Kanzleramt um Hilfe bei seiner angeblichen Suche nach den Grenzen der Satire barmte, zeigt zweierlei: Er weiß nicht, was Satire ist. Und ihm schimmert, dass er sich höchstwahrscheinlich strafbar gemacht hat. Ohne Witz.

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