Kommentar zum Bonner Staatsakt: Genschers Vermächtnis

Abschied von Hans-Dietrich Genscher: Zum Staatsakt für den verstorbenen Ex-Außenminister ein Kommentar von Nachrichtenredakteur Wolfgang Blieffert.

Die Bundesrepublik ist ein vergleichsweise symbolarmes Staatswesen: Die Nationalhymne wird nur bei besonderen Anlässen gespielt, Schwarz-Rot-Gold weht in der Regel nur vor Amtsgebäuden. Der Grund liegt auf der Hand: Dieser Staat entstand aus den Trümmern eines beispiellosen zivilisatorischen Kulturbruchs, seine Traditionslinien sind naturgemäß kurz. Deutschland ist ein schwieriges Vaterland, wie es Bundespräsident Gustav Heinemann 1969 formuliert hat.

Von einem, der sich dessen immer bewusst gewesen ist, hat das Land gestern Abschied genommen, Hans-Dietrich Genscher. Es tat das mit einem Staatsakt, einem jener seltenen Momente, in denen sich die Bundesrepublik mit Hymne, Bundesflagge und militärischem Zeremoniell symbolisch ihres ganz eigenen nationalen Bewusstseins versichert.

Genscher stand wie kaum ein Zweiter für die schwierige jüngere deutsche Geschichte: Er wuchs auf in der Weimarer Republik, im Dritten Reich und unter der SED-Diktatur, er wählte die Freiheit und ging in die Politik. Genscher glaubte fest an den westlichen Wertekanon und suchte als Außenminister doch immer auch den Kontakt mit dem Osten, besonders in schwierigen Zeiten. Denn wo gesprochen werde, sei noch nicht alles verloren.

Mit dieser Haltung erwarb er sich Respekt im Ausland und Zuneigung im Inland. Es ist es ein kleiner Trost, dass sich seine Nachfolger doch weitgehend an Genschers Politik orientiert haben.

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