Kommentar zum Brandanschlag in Tröglitz: Aus Schlaf erwachen

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Der kleine Ort Tröglitz in Sachsen-Anhalt wird wegen einem Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim zum Symbol für Ausländerhass in Deutschland. Ein Kommentar von HNA-Korrespondent Hagen Strauß.

Das ist schon merkwürdig. Erst tritt vor wenigen Wochen der Bürgermeister von Tröglitz aus Angst vor rechter Gewalt zurück. Dann geht das im Ort geplante Flüchtlingsheim zum Teil in Flammen auf – und nun erhält der Landrat Morddrohungen. Da muss die Frage erlaubt sein, wann die zuständigen Behörden eigentlich aus ihrem Osterschlaf erwachen wollen. Denn bisher scheint man dort in Sachsen-Anhalt lieber auf die beschämenden Ereignisse zu reagieren, als vorbeugend zu agieren.

Der Kampf gegen rechts muss verstärkt werden. Dazu rufen nun also alle Politiker auf. Wenn aber diejenigen, die sich engagieren, immer wieder neu für ihre Projekte um staatliche Finanzhilfen kämpfen müssen, manch ein politisch Verantwortlicher sogar den Kampf gegen Rechts- und Linksextremismus miteinander verrechnet, dann klingen solche Sätze wie Hohn.

Die Politik hat es versäumt, auf die Probleme durch den wachsenden Zustrom von Flüchtlingen entsprechend zu reagieren. Das ist Fakt. Und zusätzliche finanzielle Hilfen hat die Regierung erst locker- gemacht, als vielen Kommunen die Schwierigkeiten bereits über den Kopf gewachsen waren. Deshalb ist Tröglitz auch kein Einzelfall.

Tröglitz steht jetzt nicht nur für die hässliche Seite dessen, was Menschen widerfahren kann, die sich in Deutschland derzeit beherzt für Flüchtlinge einsetzen. Dass viele Bewohner des Ortes sich zugleich gegen die braune Hetze stemmen, verlangt einem durchaus Respekt ab. Das ist der Mut, der benötigt wird gegen Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit. Sich zu solidarisieren und dies auch konkret zu zeigen, ist weitaus wichtiger und effektiver, als es die politischen Plattitüden sind, die man derzeit wieder reichlich hören kann.

E-Mail an den Autor: nachrichten@hna.de

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