Busse von Mautpflicht zu verschonen ist weder fair noch sinnvoll

Kommentar zu Fernbussen der Deutschen Bahn: Ein Stück vom Kuchen

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Die Bahn will ihr Fernbusnetz ausweiten. Dabei sollte sie sich lieber auf ihr Kerngeschäft konzentrieren, meint HNA-Korrespondent Hagen Strauß.

Das ist schon kurios. Seit Jahrzehnten fordert die Politik dazu auf, bei der Wahl des Verkehrsmittels umzusteigen, weg von der Straße, hin auf die Gleise. Und was passiert jetzt? Jetzt schafft sich die Bahn mit ihrem Fernbusnetz die Konkurrenz im eigenen Hause. Damit konterkariert sie selbst, was umweltpolitisch jahrelang propagiert worden ist.

Hagen Strauß

Was dahinter steckt, liegt auf der Hand: Die Anfang 2013 in Kraft getretene Liberalisierung des Fernbusmarktes ist ein großer Erfolg. Das Verkehrsmittel boomt, es ist preisgünstig, vor allem bei jungen Leuten ein Hit. Genau das Gegenteil zur weithin unbeliebten und teuren Bahn. Der Konzern will nun ein Stück vom großen Kuchen abhaben. Das ist legitim. Doch der Bahn würde es besser zu Gesicht stehen, in ihr Kerngeschäft zu investieren, damit ihr nicht noch mehr Kunden davon laufen. In mehr Service, Pünktlichkeit und Qualität und gegen ein immer weiter schrumpfendes Zugangebot gerade in der Fläche. Bei Jahr für Jahr steigenden Ticketpreisen.

Abseits davon stellen sich auch grundsätzliche Fragen bezüglich der Entwicklung des Fernbusmarktes. Schon jetzt ist die Verkehrsinfrastruktur in Deutschland extrem überlastet und marode, für die Sanierung würden pro Jahr rund sieben Milliarden Euro benötigt. Der Lkw- und Autoverkehr nimmt weiter zu, der Busverkehr künftig auch. Spediteure müssen für ihre Lkw bereits eine Maut zahlen, an der für Autofahrer - vorerst nur aus dem Ausland - bastelt die große Koalition derzeit. Selbst für die Bahn sind Trassengebühren fällig. Nur der Bus ist bislang von einer Mautpflicht verschont geblieben. Das ist weder fair noch sinnvoll angesichts des Finanzbedarfs, der für Investitionen in die Straße notwendig ist.

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