Auch Kritik muss möglich sein

Kommentar zu den deutsch-israelischen Beziehungen: Ein Wunder erarbeitet

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Deutschland und Israel haben vor dem historischen Hintergrund des Holocaust eine besondere Beziehung. Dennoch muss auch Kritik möglich sein, meint HNA-Redakteur Wolfgang Blieffert.

Das Auto des neuen Botschafters wurde in Jerusalem mit Tomaten, Flaschen und Steinen beworfen, Nazis-raus-Rufe waren zu hören. Die Zeit für diplomatische Beziehungen zwischen Israel und der Bundesrepublik schien 20 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht reif zu sein. Hier der Staat der Juden, von deren Volk sechs Millionen durch deutsche Hand ermordet worden waren. Dort Deutschland, das Land der Täter.

Dass sich die Beziehungen dennoch so schnell und letztlich so gut entwickelt haben, darf als Wunder bezeichnet werden. Aber Wunder können auch erarbeitet werden. Beide Seiten haben das getan, unter anderem durch Israels Bereitschaft zur Versöhnung und Deutschlands Bekenntnis, die Sicherheit des Staates der Juden zu garantieren. Angela Merkel, in der DDR aufgewachsen und dennoch immun gegen das Virus des staatlichen Antisemitismus, hat das als Kanzlerin sogar in die ungewöhnliche Formel gegossen, Israels Sicherheit sei Teil der deutschen Staatsräson.

Von normalen Beziehungen beider Länder kann also keine Rede sein, schon gar nicht vor dem Hintergrund des Holocausts. Aber nach 50 Jahren bricht die deutsch-israelische Welt auch nicht zusammen, wenn ein Ministerpräsident die Juden auffordert, nach Israel zu kommen, und eine Kanzlerin die Palästinenserpolitik Jerusalems kritisiert. Unter Partnern muss das möglich sein, unter Freunden sowieso.

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