Kommentar zu den deutsch-türkischen Beratungen: Ziemlich erbärmlich

Der türkische Ministerpräsident zu Gast bei der deutschen Bundeskanzlerin. Es ging um Flüchtlinge und EU-Beitritt. Dazu ein Kommentar unseres Berliner Korrespondenten Werner Kolhoff.

Angela Merkel hat wie alle Konservativen in Europa das Begehren Ankaras, EU-Mitglied zu werden, über Jahre hinweg am langen Arm verhungern lassen. Freundlich im Ton, kalt in der Sache. Man hat nicht nur die Türkei, man hat auch die Türken abgewiesen. Dabei hätte das Land Brücke und Puffer zugleich zu den Unruhezonen Vorderasiens sein können.

Wie töricht man war, zeigt sich jetzt. Wegen der Flüchtlinge und angesichts der Konflikte im Mittleren Osten merkt der Westen, merkt auch Merkel, wie sehr man die Türkei braucht. Jetzt werden eilig neue Verhandlungskapitel mit der EU eröffnet, jetzt wird ihre Regierung hofiert wie gestern bei den deutsch-türkischen Konsultationen.

Aber es ist keine europafreundliche Regierung mehr. Jetzt steigen die Preise und jetzt wird es schmierig. Drei Milliarden Euro und politische Zugeständnisse verlangt Ankara dafür, dass es Europa, vor allem den Deutschen, die Flüchtlinge vom Leib hält. Die Türkei wird das nicht mit Mitteln des Sozialstaats tun.

Was das für Kriegsopfer aus Syrien bedeutet, kann man sich ausmalen. Was die Türkei mit dem vielen Geld macht, wird ihre Sache sein. Über Erdogans korrupte und gewalttätige Regierung wird sowieso weitgehend geschwiegen. Hauptsache, der Flüchtlingsstrom versiegt. Ankara soll für uns die Drecksarbeit erledigen und wird mit seinem nationalen Taumel in Ruhe gelassen. Das ist vom europäischen Traum der Türkei geblieben. Es ist ziemlich erbärmlich.

Rubriklistenbild: © k r o h n f o t o . d e

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