Kommentar zur Deutschen Bahn: Da ist noch Luft nach oben

Der Gewinn ist eingebrochen, Streiks, Stürme und hausgemachte Probleme vermiesten der Deutschen Bahn im ersten Halbjahr die Bilanz. Dazu ein Kommentar unseres Berliner Korrespondenten Werner Kolhoff.

Die Stürme und die Streiks sollen Schuld sein am verheerenden Ertragseinbruch bei der Bahn. Doch auch ohne diese Faktoren wäre es ein mieses erstes Halbjahr gewesen. Hat der Konzern Entwicklungen verschlafen?

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Jedenfalls kommt der jetzt von Vorstandschef Rüdiger Grube verkündete, mit heißer Nadel gestrickte Umbau reichlich spät. Grube muss sich fragen lassen, ob er die Dinge zu lange schleifen ließ. Die Probleme waren absehbar: Die Konkurrenz durch die Fernbusse, der Druck von Wettbewerbern im Regionalverkehr, die Verlagerung von noch mehr Gütertransporten auf die Straße. Altbekannt sind auch die Probleme beim Service, Stichwort W-Lan oder Fahrradmitnahme. Und natürlich die Pünktlichkeit. Wann ist die Bahn einmal vor der Entwicklung, und nicht hinter ihr?

In der Bahn herrscht eine freundlich familiäre Atmosphäre, bis an der Spitze. Das ist sympathisch, aber auch gefährlich. Denn niemand macht Druck. Erst Recht gilt das seit dem Ende der Börsenpläne. Der Eigentümer Bund erwartet bloß Ruhe und zuverlässigen, pünktlichen Verkehr in möglichst allen Regionen. Und wenn davon wegen der zahlreichen Verspätungen zeitweise nur die Ruhe bleibt, ist es auch okay, solange es nicht Proteststürme gibt.

Die leichte Verschlankung des Vorstands wird an diesem Zustand grundsätzlich wenig verändern, zumal mit Ex-Kanzleramtschef Ronald Pofalla die Verquickung mit der Politik nun noch stärker geworden ist. Das Motto der gestern verkündeten Reform lautet „schlanker schneller, effizienter und kundenorientierter“. Die Steigerungsform zeigt, dass da offensichtlich überall noch Luft nach oben ist. Und wenn man in fünf Jahren allein in der Konzernzentrale 700 Millionen sparen kann, wird auch klar, wo diese Luft ist: Ganz oben.

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