Kommentar zu Deutschen und Flüchtlingen: An Tagen wie diesen

Die Welle der Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge reißt nicht ab, Kanzlerin Merkel ruft zu gemeinsamen Anstrengungen auf. Dazu ein Kommentar von Nachrichtenredakteur Wolfgang Blieffert.

Es gibt schwierige Vaterländer, und eines davon ist Deutschland. Das Zitat stammt von dem Sozialdemokraten Gustav Heinemann, als dieser sein Amt als Bundespräsident antrat. Das war 1969, und der Satz Ausdruck von Scham und Verunsicherung angesichts der jüngeren deutschen Geschichte, die von Nazi-Diktatur, Holocaust und Zweitem Weltkrieg handelte.

Möglich, dass Deutschland immer noch ein schwieriges Vaterland ist. Geschichte vergeht schließlich nicht, und das Land tut sich auch heute schwer mit der internationaler Verantwortung und Engagement, vor allem dort, wo geschossen und gestorben wird.

Sicher ist aber, dass es heute auch Grund gibt für einen gewissen, sagen wir es ruhig, Stolz. Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit, die an Tagen wie diesen den Flüchtlingen entgegenschlagen, mögen manchmal ein wenig naiv sein, echt sind sie auf jeden Fall. Und keine Selbstverständlichkeit in einem Land, wo an Ladenkassen und in Behörden oft auch das Gegenteil demonstriert wird.

Zu den bemerkenswerten Aspekten dieser Tage gehört zudem das große Engagement, mit dem sich Kanzlerin und Vizekanzler der Flüchtlingsfrage angenommen haben. Denn ihr Einsatz ist mit unkalkulierbaren Risiken verbunden: Das Thema ist heikel und geeignet, populistischen und rechtsextremen Parteien Zulauf zu bescheren.

Insofern sind alle Engagierten im Land, Bürger wie Politiker, aufgefordert, angesichts der schieren Größe der Problems die berechtigten Sorgen und manchmal eben auch Ängste anderen Mitbürger Ernst zu nehmen.

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