HNA-Meinung

Kommentar zu Deutschlands erstem Demenzdorf: Schritt zum Besseren

In Hameln hat das erste deutsche Demenzdorf eröffnet. Patienten wohnen dort betreut in Hausgemeinschaften. Ein Kommentar von HNA-Nachrichtenredakteur Wolfang Riek.

Früher wurde der alte Großvater irgendwann wunderlich. Altersverwirrt, sagte man, die Mehrgenerationen-Großfamilie trug so etwas meist selbstverständlich mit – lange Jahre oder bis zum Schluss. Heute ist altersverwirrt in dement umbenannt, die Großfamilie längst ins Weißt-du-noch?-Fotoalbum verbannt und der Großvater schnell allein.

Kinder rutschen da schnell in Loyalitätskonflikte: kleine Wohnung, ein stressiger Beruf, der bis an die Leistungsgrenze oder darüber hinaus fordert, Überforderung beim Versuch mit Demenz umzugehen, dazu das schlechte Gewissen, Eltern letztlich doch ins Heim geben zu müssen.

Dass Demenz und andere Krankheiten aus Tabu-Ecken ans Licht geholt werden, ist ein Schritt dazu, das Dilemma widerstreitender Ansprüche zwar nicht vollends zu lösen, aber besser handhabbar zu machen.

Neue Versorgungskonzepte, wie sie hinter dem Demenzdorf stecken, sind ein weiterer Schritt zum Besseren. Aber nur, wenn hehre Versprechen der Einrichtungsprospekte auch eingelöst werden, wenn die Mitmach-Idee kein verkappter Personalspartrick und das Ganze bezahlbar ist.

Lesen Sie dazu auch: Im Dorf des Vergessens

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