Kritik des Papstes

Kommentar zur Diskussion über das Vaterunser: Wie es uns gefällt?

Tibor Pézsa über die Kritik des Papstes an der Bitte "Und führe uns nicht in Versuchung". Ein Kommentar.

Das ist jener Franziskus, wie er die Herzen über die Grenzen seiner Kirche hinaus erwärmt. Bei diesem Papst kommt der Mensch zuerst, genauer: der von Gott geschaffene und geliebte Mensch. Dieser Papst will für die Menschen da sein, nur in diesem Sinne ist er für seine Kirche da. Ob’s ihr gefällt oder nicht.

Die Beiläufigkeit, mit der Franziskus nun ausgerechnet am Text des Vaterunsers rüttelt, dürfte allerdings auch bei Franziskus-Freunden zu hochgezogenen Augenbrauen führen. Denn an der Übersetzung des wohl bekanntesten Gebets aus dem griechischen Urtext gibt es nichts zu deuteln. Sie ist korrekt, ob’s Franziskus gefällt oder nicht.

Das hindert den Papst offenbar nicht daran, sich auf jenen schwankenden Boden des Zeitgeistes zu begeben, auf dem schon die Bibel in Gerechter Sprache, die Volxbibel und andere Erscheinungen des Zeitgeistes ihre vergänglichen Blüten trieben.

Ein Blick in die Bibel zeigt doch: Der christliche Gott ist kein Wellness-Angebot. Im Alten Testament verlangt er von Abraham, seinen Sohn Isaak zu opfern. Im Neuen Testament opfert er selbst seinen Sohn, obwohl der noch am Vorabend seiner Kreuzigung darum bittet, dass ihm dies erspart bleiben möge.

Der christliche Gott ist rätselhafter und größer, als mancher sich ihn wohl wünschen mag. Vor allem aber ist er ziemlich sicher auch an dem beteiligt, was seinen Geschöpfen weh tut, an dem, was ihnen nicht einleuchtet und an dem, was sie sich selbst und ihren Mitgeschöpfen antun. All dies steckt drin in der seit Menschengedenken formulierten Bitte: „Führe uns nicht in Versuchung.“

Dass der Papst Gott von all dem frei sprechen will, ist einfach ein bisschen schlicht. Glaube, Hoffnung und Liebe haben nicht dort ihren Sinn, wo wir alles verstehen, sondern wo sie herausgefordert werden. Hände weg vom Vaterunser, bitte.

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