Kommentar zu Eltern, die ihr Kind ermordeten

Eine Muslimin hatte Sex vor der Ehe - und wurde deswegen von ihren Eltern umgebracht. Dafür erhielten sie jetzt eine lebenslange Haftstrafe. Ein Kommentar von Nachrichtenchef Tibor Pézsa

Was für eine ungeheuerliche Abwägung: Für die Eltern wogen Tradition und Sorge vor dem Ansehensverlust in ihrer Glaubensgemeinschaft schwerer als das Leben ihres eigenen Kindes. Mit der Tat zerstörten sie sich selbst, ihre eigene Familie. Die jüngere Tochter soll sich von ihnen losgesagt haben und bei Verwandten leben. 14 Jahre ist sie alt. Wie wird sie weiterleben?

Die Eltern fanden im Beziehungsgeflecht ihrer Gemeinde Identität, die sie in Deutschland vielleicht nie gesucht haben, vielleicht nie für möglich hielten. Wie kann das sein: Noch nach 20 Jahren in Deutschland brauchen beide einen Dolmetscher? Der Vater soll der Mutter sogar verboten haben, Deutsch zu lernen.

Anwesend abwesend in der Fremde – so lebten die Eltern. Nur deswegen konnte ihre Gemeinde eine solche Bedeutung für sie erlangen. Das Motto der Ahmadiyya-Glaubensgemeinschaft „Liebe für alle, Hass für keinen“ hing an der Wohnungstür der Familie. Es bildete ihre Lebenswirklichkeit aber offenbar nur in engsten Grenzen ab. Die Tochter musste ihren Ausbruchsversuch mit dem Leben bezahlen.

Wer oder was hat die Familie zerstört? Die mangelnde Integration der Eltern? Trägt die Gemeinde, die dabei zusah, es vielleicht billigte, Mitverantwortung? Was bedeutet der Fall für die Integration hunderttausender neuer Zuwanderer aus traditionellen, islamischen Kulturkreisen in Deutschland? Es sind brennende Fragen. Man sollte es sich mit den Antworten nicht zu leicht machen. 

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