Kommentar zur Entschädigung für Magnus Gäfgen: Logisches Urteil

Dem Rechtsgefühl der Bürger entspricht dieses Urteil natürlich nicht: Ein zu lebenslanger Haft verurteilter Kindsmörder erhält eine Entschädigung, weil ein ermittelnder Polizeibeamter ihm mit körperlicher Gewalt drohen ließ.

Wolfgang Blieffert, HNA-Politikredaktion.

Da erregt sich die Volksseele, die schon nicht verstanden hat, dass der Polizeibeamte für sein Handeln belangt wurde. Aber im Grundgesetz-Artikel 1 heißt es nach den Erfahrungen mit der Nazi-Diktatur: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt“. Dagegen verstieß - wiewohl aus seiner Sicht vielleicht verständlich - der Frankfurter Polizeivizepräsident Wolfgang Daschner. Und deshalb steht Magnus Gäfgen eine Entschädigung zu. Auch wenn er selbst eine viel schrecklichere Tat begangen hat, die Ermordung des entführten Bankierssohnes Jakob von Metzler.

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Der Vorwurf, das Landgericht habe es mit seinem Urteil zugelassen, dass Gäfgen sich nun als Opfer inszenieren kann, geht ins Leere. Die Zivilkammer lehnte nicht nur seine dreiste Schmerzensgeldforderung ab, sondern bürdete ihm auch vier Fünftel der Prozesskosten auf.

Gäfgen wird - so steht zu vermuten - gegen das Urteil in Berufung gehen. Das bleibt sein gutes Recht. Aber es wirft auch einen Blick auf die Persönlichkeit des Kindsmörders: Arrogant, selbstsüchtig und ohne Reue. Auch wenn es uns nicht schmeckt: Die Justiz hat sich auch solchen Menschen nach rechtsstaatlichen Regeln zu widmen.

Von Wolfgang Blieffert

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