Kommentar zum Streik bei der Post: Erbitterter Arbeitskampf

Die Beschäftigten in den Briefverteilzentren der Deutschen Post streiken. Verdi will für 140.000 Mitarbeiter bessere Arbeitsbedingungen aushandeln. Ein Kommentar von Jörg S. Carl.

Dass die Paketzustellbranche den Hang zum Lohndumping hat, weiß man spätestens seit den Undercover-Recherchen eines Günter Wallraff. Ausbeutung von Sub- und Subsub-Unternehmern und deren Beschäftigten war an der Tagesordnung. In einigen Unternehmen soll es mittlerweile Verbesserungen gegeben haben, aber die Konkurrenzsituation ist nach wie vor hart. Durch den grenzenlosen Onlinehandel wächst der Markt, und alle Beteiligten, vom großen Logistikkonzern bis hin zum kleinen, selbstständigen Kurierfahrer, möchten noch mehr abhaben vom Milliardengeschäft.

Vor diesem Hintergrund sieht sich die Post - nach eigenem Verständnis im Vergleich zur Konkurrenz ein Hochlohnunternehmen - gezwungen, Paketdienste auszulagern und Tarife zu kürzen. Es ist das bekannte Arbeitgeberargument: Personalkosten senken, um weiter wettbewerbsfähig zu sein und so den Großteil aller Arbeitsplätze zu retten. Bei aller Empörung der Betroffenen: An diesem Argument ist nichts falsch.

Doch ebenso nachvollziehbar ist die Haltung der Gewerkschaft: Sie will den weiteren Ausbau der Zweiklassen-Gesellschaft unter den Postmitarbeitern verhindern. Die ausgegliederten, eigenen Subunternehmen verstoßen laut Verdi gegen den elementaren Grundsatz: gleicher Lohn für gleiche Arbeit.

So droht ein langer, erbitterter Arbeitskampf, in dem beide gute Argumente haben und beide auf ihren Standpunkten beharren werden. Eine Kompromisslinie ist zurzeit nicht in Sicht. Pech für die Postkunden, dass auch kluge Schlichter gerade Mangelware im Land sind.

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