HNA-Kommentar

Nur noch Deutsche bei der Essener Tafel: Bittere Realität

Kassel. Die Essener Tafel nimmt zur Zeit nur noch Deutsche auf. Über die Hintergründe ein Kommentar von Nachrichtenredakteur Wolfgang Blieffert.

Seit 25 Jahren bemüht sich die deutsche Tafel-Bewegung, Bedürftige mit Lebensmitteln zu versorgen. 60.000 Freiwillige unterstützen täglich 1,5 Millionen Menschen in Not. Maßgeblich ist immer die Bedürftigkeit, nicht die Herkunft. So das hehre Prinzip.

Die bittere Realität sieht oft anders aus. So wie jetzt in Essen, wo Neukunden, die keinen deutschen Pass besitzen, auf eine Warteliste gesetzt werden. Der Tafelverein sah sich dazu gezwungen, weil die Situation vor Ort unhaltbar geworden war: Drei Viertel der Bedürftigen waren Migranten, in Warteschlangen wurde geschubst und gedrängelt, alte Menschen fühlten sich von fremdsprachigen jungen Männern abgeschreckt, alleinerziehende Frauen wurden respektlos behandelt. Die Probleme bei der Integration werden an solchen Brennpunkten besonders deutlich.

Wer will es der Essener Tafel verdenken, dass sie jetzt vorübergehend die Notbremse zog? Wer will Menschen kritisieren, die tagtäglich und freiwillig schwierige Sozialarbeit leisten? Die oft auch überfordert sind mit Kunden, die sich daneben benehmen, seien es nun Deutsche oder Nichtdeutsche. Zu vermuten ist, dass sich Vorkommnisse wie in Essen so oder anders jeden Tag irgendwo in Deutschland abspielen. Nur die Reaktion der örtlichen Tafel ist bislang einigermaßen beispiellos.

Aber nicht das ist der eigentliche Skandal, sondern es sind die sozialen Verhältnisse in Deutschland, die seit nunmehr einem Vierteljahrhundert Einrichtungen wie die Tafeln notwendig machen.

Rubriklistenbild: © picture alliance / Annette Riedl

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