Kommentar zum EU-Balkangipfel: Schleichende Zersetzung

Die Flüchtlingskrise zeigt schonungslos, wie tief die Gräben zwischen den östlichen und den westlichen EU-Staaten sind, meint HNA-Korrespondent Detlef Drewes.

Es war kein reinigendes Gewitter. Das Treffen der 13 Regierungschefs in Brüssel ging vielmehr an die Substanz, weil es lange nicht nur an Solidarität und Verständnis füreinander fehlte, sondern weil die Länder mit fast schon beleidigender Schonungslosigkeit aufeinander losgingen.

Der am Ende doch noch verabschiedete 17-Punkte-Plan mag über die schleichende Zersetzung der Union hinwegtäuschen. Aber die Auseinandersetzungen gehen tiefer. Die reicheren Staaten des Westens und die ärmeren Länder des Ostens haben bis heute zu keiner echten Gemeinschaft gefunden. Auch wenn jedes Jahr etliche Milliarden Euro an Fördergeld von Brüssel nach Prag, Warschau und Zagreb fließen, so bleibt doch die tiefsitzende Skepsis der dortigen Gesellschaften, nach den Jahren der Abhängigkeit und Lenkung durch ein sozialistisches System nun in eine vergleichbare Situation durch Europa zu geraten.

Das Ergebnis ist eine Abwehr all dessen, was aus der fernen Brüsseler Zentrale kommt, die sich noch dazu in den zurückliegenden Jahren nicht als Helfer oder Beistand, sondern als Absender von Auflagen und Forderungen präsentiert hat. So etwas hinterlässt Narben, die jetzt deutlicher aufbrechen als je zuvor: Jeder kämpfte für sich und suchte die Schuld für die Misere beim anderen.

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