Kommentar zu den EU-Sanktionen gegen Russland: "Verrechnet?"

Detlef Drewes

Hat sich die EU mit ihren Sanktionen gegen Russland verrechnet? Das muss nicht so sein, meint unser Brüsseler Korrespondent Detlef Drewes. Ein Kommentar:

Ob sich die EU mit ihren Sanktionen am Ende verrechnet hat? Der Katalog der verschärften Strafmaßnahmen ist in Kraft. So manche Brüskierung Moskaus wie beispielsweise ein Boykott sportlicher Großereignisse hat sich im Nachhinein als Gerücht entpuppt. Die 28 Mitgliedstaaten konzentrieren sich auf bestimmte Ziele der russischen Wirtschaft. Das macht Sinn.

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Doch was nun folgt, wird ein Doppelschlag sein. Zum einen kann Präsident Wladimir Putin die Sanktionen nicht unbeantwortet lassen und dürfte mit einer scharfen Antwort die gerade aufkeimende Konjunktur im Westen zu torpedieren versuchen.

Zum anderen nutzt er den Anlass, um sich neu zu orientieren und den eigenen Unternehmen Beine zu machen. Moskau will unabhängiger von Europa werden und sucht sich dabei seine neuen Partner in Fernost. Der Auftritt der Kreml-Spitze beim Gipfeltreffen der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit in Tadschikistan spricht Bände: Moskau umwirbt Indien und China - und damit zwei der aufstrebenden Schwellenländer.

Da wird über industrielle Zusammenarbeit und neue Investitionsmöglichkeiten von Großprojekten gesprochen. Der Westen als Katalysator für einen russisch-asiatischen Entwicklungsschub? Nichts erscheint gerade unmöglich.

Ein solcher Schritt, den die EU im Schulterschluss mit den Vereinigten Staaten ausgelöst hat, würde die Gewichte massiv verschieben.

Tatsächlich zeigen Moskaus Reaktionen auf die scharfe Kritik am Vorgehen in der Ukraine, dass sich Putin längst von früheren Entwürfen eines europäisch-russischen Marktes verabschiedet hat. Zumal er bei seinen neuen Partnern, deren demokratisches Niveau ähnlich unterentwickelt ist wie das Russlands, keine ständige Nörgelei an seinem Umgang mit renitenten Verbündeten zu befürchten braucht.

Noch hat Europa alle Chancen, beides zu erreichen: Frieden für die Ukraine und einen Neustart der Beziehungen zu Russland. Dann aber dürfen die Sanktionen nicht das letzte Wort sein.

Notwendig ist nach der Peitsche nun der Zucker: Wie kann Europa Moskau wieder an seine Seite zurückholen? Denn auch wenn sich Putin inzwischen nach Osten orientiert, müssen die beiden Blöcke, die eine gemeinsame Grenze haben, ihre nachbarschaftlichen Beziehungen zumindest regeln. Am besten jedoch wieder aufbauen.

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