Kommentar: Euro-Debatte offenbart Zerwürfnis in Opposition

Man könnte den neu aufgeflammten Streit in der Linkspartei über die Zukunft des Euro als Ego-Trip eines prominenten Ehepaars aus dem Saarland abtun. Aber dahinter steckt mehr. Ein Kommentar von unserem Berliner Korrespondenten Stefan Vetter.

Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine sind bekannt dafür, auch gegen den Strom in den eigenen Reihen zu schwimmen. Doch das Problem sitzt tiefer. Die ganz Linken unter den Linken sind maßlos enttäuscht von ihrem einstigen Hoffnungsträger Alexis Tsipras. Dass die Weltrevolution wieder mal ausfällt, weil der Grieche es doch vorzog, sich den kapitalistischen Spielregeln zu unterwerfen, anstatt den Sozialismus einzuführen, ist dabei für viele dem Euro geschuldet.

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Die Linke streitet über den Euro

Also muss er weg. Dass Griechenland allein schon im Energiesektor stark von Importen abhängig ist, die man mit einer eigenen Weichwährung erst recht nicht mehr bezahlen könnte, wird dabei genauso ausgeblendet, wie umgekehrt die Tatsache, dass Deutschland bei Wiedereinführung der D-Mark massive Exportprobleme bekäme, da sich seine Waren massiv verteuerten. Die Linken wären allerdings die ersten, die einen daraus resultierenden Anstieg der Arbeitslosigkeit lautstark brandmarken würden.

Wenn Sahra Wagenknecht nun den Euro offen infrage stellt, dann ist das keine Belanglosigkeit. Schließlich handelt es sich um die künftige Vorsitzende der Linksfraktion. In dieser Eigenschaft sollte man eigentlich divergierende Positionen zusammenführen, integrieren statt polarisieren. Doch das Gegenteil geschieht.

Da ist es auch kein Wunder, dass weder SPD noch Grüne mit den Linken spielen wollen. Der Euro gehört für beide Parteien zur europapolitischen Grundausstattung. Bei der Linken ist das spätestens seit gestern wieder zweifelhaft.

Wenn es überhaupt Chancen für eine politische Mehrheit jenseits der Union auf Bundesebene gibt, dann tendieren sie jetzt gegen Null.

Kontakt zum Autor: nachrichten@hna.de

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