Kommentar zur Fluchtwelle aus dem Kosovo: Wir würden auch gehen

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Zu Tausenden kommen Menschen aus Kosovo nach Deutschland. Wie positionieren wir uns dabei? Was würden wir in einer solchen Situation machen? Ein Kommentar von Tatjana Coerschulte.

Soviel steht schon jetzt fest: Die Menschen, die derzeit im Laufschritt das Kosovo verlassen, werden sich alsbald wieder dort befinden. Deutschland erkennt die desolate wirtschaftliche Situation des Balkanlandes nicht als Grund an, seinen Bewohnern den Aufenthalt hier zu genehmigen. Die Asylanträge der meisten Kosovaren werden abgelehnt und die Antragsteller abgeschoben.

Bevor nun aber deutsche Steuerzahler befriedigt mit dem Kopf nicken, sollten sie sich fragen: Was würden sie denn machen, wenn sie - sagen wir - mit Mitte zwanzig und zwei kleinen Kindern im Armenhaus Europas säßen? Wenn seit Jahren nicht absehbar wäre, dass sich irgendetwas in dem bitterarmen Land zum Besseren wenden könnte? Genau - sie würden auch gehen, schon um der Zukunft der Kinder willen.

Mit Abschiebungen allein ist nichts gewonnen, denn wer nichts zu verlieren hat, wird sich wieder auf den Weg machen. Das Beispiel Kosovo zeigt, dass es nicht reicht, ein Land „unabhängig“ zu nennen und sein Staatswesen auf „Demokratie“ zu taufen, wenn die Demokratie nicht in den Köpfen der Menschen angekommen ist und Korruption Wirtschaft, Verwaltung und Justiz beherrscht.

EU und Vereinte Nationen müssen im Kosovo langwierige Prozesse begleiten: Aufbau von Schulen, Gesundheitswesen und politische Bildung, kontrollierende Wirtschaftsförderung. Von allein löst sich das Problem nicht. Aber mit Hilfe zur Selbsthilfe lässt sich im Armenhaus Europas eine Perspektive aufbauen, welche die Menschen zum Bleiben bewegt.

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