Kommentar zu Flüchtlingen und Politik: Vorgelebte Solidarität

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Wer nach Wochen des Sommerurlaubs zurückkommt in dieses Land, den beschleicht zunächst das Gefühl, es habe sich etwas negativ verändert, es sei etwas ins Rutschen gekommen. Doch das tauscht, findet HNA-Nachrichtenredakteur Wolfgang Blieffert.

Gefühlt täglich Meldungen von Angriffen und Übergriffen auf Flüchtlinge und deren Unterkünfte. Jeden Morgen das Aufatmen, dass nicht noch Schlimmeres passiert. Dazu absurde Debatten über die tränenerstickte Stimme eines TV-Moderators, die Asylpläne eines prominenten Schauspielers und die Wortwahl des Vizekanzlers.

Doch bei genauerem Hinsehen und -hören hat sich auch etwas positiv verändert: Die Sonntagsreden vom toleranten und weltoffenen Deutschland werden im Alltag von tausenden Bürgern mit Leben erfüllt. Sie zeigen, dass jeder etwas tun kann für die Hunderttausenden, die unverschuldet in Not geraten sind und in Deutschland Hilfe erhoffen. Sie leben Solidarität und Mitmenschlichkeit vor.

Der Politik vorzuwerfen, sie tue dies zu wenig, sie versage vor der Größe der Probleme, ist leicht dahergesagt und oft auch ungerecht. Dennoch wünschte man sich von den Volksvertretern mehr vom Ethos, wie es der große Soziologe Max Weber (1864-1920) einst beschrieben hat: Politik sei „ein starkes langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß zugleich.“

Was könnte das im Fall des weltweiten Flüchtlingsdramas bedeuten? Natürlich eine gerechte Verteilung auf die wohlhabenden Nationen. Vor allem aber auch Hilfe zur Selbsthilfe in den Krisenländern; Unterstützung beim Aufbau föderaler Strukturen, damit verschiedene Ethnien dort friedlich zusammenleben und die Länder ihre Bewohner ernähren können. Natürlich, das ist mühselig, teuer und ein Jahrhundertprojekt. Aber gibt es dazu eine Alternative?

Zugleich darf sich die Politik nicht wegdrücken, wenn diejenigen, denen kein Asyl in Deutschland zusteht, auch zurückgeschickt werden sollen. Das mag für die Betroffenen hart sein, doch diese Konsequenz ist notwendig. Andersfalls wird die derzeit noch bestehende gesellschaftliche Akzeptanz der Flüchtlingsaufnahme gefährdet.

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