Kommentar zum Flüchtlings-Plan der EU: Chance für Afrika

Falls die Europäer gedacht haben sollten, sie könnten das Problem des anschwellenden Flüchtlingsstroms mit ein paar zusätzlichen Kriegsschiffen im Mittelmeer entschärfen, haben sie sich getäuscht. Ein Kommentar unseres Brüsseler Korrespondenten Detlef Drewes.

Es gibt keine Lösung, die mit Marine-Einheiten erreichbar wäre. Weil nicht nur die Opfer von Bürgerkriegen auf der Flucht in die EU sind, sondern auch jene, die zwischen Stammesfehden geraten oder schlicht von Hungersnöten betroffen sind. Die Industriestaaten bekommen die Quittung für die Benachteiligung des Kontinents, der nie wirkliche Hilfe für seine Entwicklung erfahren hat. Da es zu Hause keine Aussicht auf Besserung gibt, machen sich die Betroffenen auf, ihr Heil in Europa zu suchen. Angesichts dieser Realität wirkt die kleinliche Entschlossenheit des Westens zur Bekämpfung der Fluchtursachen wie ein Trostpflaster. Natürlich ist ein Sonderfonds von zehn Milliarden Euro begrüßenswert, aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Von einem fairen Welthandel mit gleichen Chancen für die Länder Afrikas oder Lateinamerikas ist man weit entfernt. Daran können die EU-Minister für die Entwicklung der Dritten Welt alleine nicht viel ändern. Und auf Lösungen der G7-Staaten wartet man seit Jahren vergeblich.

So richtig der Satz sein mag, dass Europa nicht das Elend der Welt auf seinem Boden lindern wird, so sehr stimmt aber auch die Erkenntnis, dass die Opfer von Kriegen, Elend und Not nicht mehr länger auf Hilfe warten können, sondern dorthin gehen, wo angeblich Milch und Honig fließen. Diesen Aufbruch eines Kontinents kann man nur stoppen, wenn man nach vielen Jahrzehnten völlig verfehlter Afrika-Politik endlich Ernst macht mit dem Entwickeln der dortigen Länder. Es gibt ja vielversprechende Ansätze, sogar demokratische und marktwirtschaftliche Inseln. Aber das reicht nicht. Afrika ist zu einer Herausforderung für die entwickelte Welt geworden. Die Instrumente der EU reichen da nicht aus, um Verbesserungen zu schaffen, die die Flüchtlingsströme versiegen lassen könnten. Es bedarf einer konzertierten und nachhaltigen Aktion, die diesen Kontinent nach vorne bringt. Nicht nur für die Menschen dort, sondern auch im eigenen Interesse.

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