Kommentar zur Flüchtlingspolitik: Planlos und ratlos

Deutschland hat vorrübergehend wieder Grenzkontrollen eingeführt. Die Bundesrepublik ist damit für Asylsuchende nicht verschlossen, sie versucht aber, des wachsenden Zustroms Herr zu werden. Ein Kommentar von unserem Korrespondenten Hagen Strauß.

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Es gibt Ereignisse, die die Politik dazu zwingen,schnell zu handeln. Dann bleibt nur begrenzt Zeit, die Konsequenzen zu bedenken. Angela Merkel hat sich vor etwas mehr als einer Woche in so einer Situation im Alleingang dafür entschieden, die Grenzen für Tausende Flüchtlinge zu öffnen. Das war ein humanitärer Akt. Was hätte sie anderes machen sollen?

Aber sie hat die Konsequenzen nicht durchdacht. Planlos, ratlos, aber nicht folgenlos. Das alles ist sehr ungewöhnlich für Merkel. Gilt sie doch gemeinhin als Physikerin der Macht, die vor Entscheidungen die Dinge von hinten nach vorn und wieder zurück denkt – selbst dann, wenn der Druck groß ist.

Merkel hat nach ihrer Entscheidung zu wenig deutlich gemacht, dass es sich um eine einmalige Aktion handelte. Sie hat keine europäische Krisenpolitik betrieben, wie sonst so gerne bei Bankenpleiten oder Griechenland-Krisen. Merkel hat zudem Zehntausende Flüchtlinge in dem Glauben gelassen, es sei lohnend, sich auf den Weg zu machen. Und sie hat den Deutschen suggeriert, dass die Bewältigung des Ansturms zu schaffen sei.

Das Gegenteil ist der Fall, wie sich jetzt vielerorts zeigt. Eine Debatte darüber, wie viele Menschen Deutschland überhaupt aufnehmen und wie der Zustrom nachhaltig begrenzt werden kann, wird immer drängender.

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