Kommentar zu François Hollande: Entschlossen und kriegerisch

Einerseits Krieger, andererseits tief getroffener Landesvater. Frankreichs Staatspräsident füllt zwei Rollen aus. Ein Kommentar von HNA-Korrespondentin Birgit Holzer.

Zum zweiten Mal in diesem Jahr steht François Hollande an der Spitze eines Landes, das durch blutige Terroranschläge tief erschüttert worden ist. Er selbst spricht von „Kriegs-Akten“, die Frankreich mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpfen werde. Keine 48 Stunden später meldet das Verteidigungsministerium, die französische Luftwaffe habe zwei IS-Trainingslager in Syrien zerstört. Die Botschaft ist deutlich: Wir sind stark, halten dagegen und lassen uns nicht einschüchtern.

Es ist das Hollande‘sche Paradox: Der Mann, dem innenpolitisch sein ewiges Zaudern vorgeworfen wird, gibt sich bei sicherheitspolitischen Fragen schnell entschlossen, ja kriegerisch. Doch daneben zeigt sich der kaltblütig handelnde Präsident, wie schon nach den Anschlägen auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ und einen jüdischen Supermarkt im Januar, auch als persönlich getroffener Landesvater. Er behält die Ruhe, findet emotionale Worte, versucht zu einen statt zu spalten. Das ist umso wohltuender, als die Opposition sich sofort mit drastischen Warnungen überbietet und dabei wohl auch die Regionalwahlen Anfang Dezember im Blick hat.

Und doch bleiben Fragen, denn auch neue, strenge Gesetze haben die Anschläge nicht verhindern können. Wo Franzosen das Land von innen angreifen, bewirkt es nichts, die Grenzen zu schließen.

Um weitere Gräueltaten zu verhindern, muss Frankreich in seine Ghetto-Vorstädte blicken, wo jene Männer als tickende Zeitbomben aufgewachsen sind, die nun so viel Schaden angerichtet haben. Hollande hatte einst versprochen, die sozial vernachlässigten Banlieues, in denen Armut, Gewalt und Perspektivlosigkeit herrschen, zur Priorität zu machen. Eine riesige Aufgabe, aber ohne Alternative.

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