Kommentar zur Frauenquote: Symbol statt Politik

Die Frauenquote kommt. Dass sie nur in gut 100 Unternehmen gelten soll, sorgt für Kritik in der Opposition. Arbeitgeberverbänden geht schon das zu weit. Jörg S.Carl kommentiert.

So viel Tamtam um die Frauenquote. Die Befürworter in der Großen Koalition tun so, als sei die Gleichberechtigung jetzt endlich erreicht. Die Gegner, vor allem vom konservativen Flügel der Union, sehen ihre Vorstellung eines Familienidylls mit klassischer Rollenverteilung jäh zerstört. Beides ist Quatsch.

Den lange unversöhnlichen Lagern sei gesagt: Bitte abkühlen. Ob in hundert Unternehmen eine Frau mehr oder weniger im Aufsichtsrat sitzt, wird weder etwas an der Gleichstellung in der Arbeitswelt noch in der Gesellschaft ändern. Was hat die Bäckereifachverkäuferin davon, wenn in einem Dax-Unternehmen eine Dame mehr zum Diktat ruft? Das sind einander ferne Galaxien.

Die Frauenquote lässt sich immerhin als gut gemeintes Symbol erklären. Als gute Absicht, die vielleicht einen Prozess einleitet, der die Situation von Frauen in der Wirtschaft tatsächlich verändert - hin zu gleichen Chancen, gleicher Bezahlung und besserer Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Es ist peinlich genug, dass solch Selbstverständlichem überhaupt eine gesetzlich verordnete Quote gegen den Widerstand von Arbeitgebern vorausgeschickt werden muss.

Notwendiger als eine Quote ist politischer Gestaltungswille. Denn solange sich Menschen, insbesondere Familien, allen Anforderungen von Unternehmen anpassen sollen, werden Familien zu kurz kommen und zumeist Frauen unter ihrer Doppelrolle leiden. Die große Koalition sollte sich also nicht länger um Quoten balgen, sondern für mehr familien- und frauenkompatible Bedingungen im Arbeitsleben sorgen.

Symbole sind schön, aber sie verbrauchen sich schnell, wenn unter der Oberfläche die Substanz fehlt. jsc@hna.de

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