Kommentar zu Fremdenfeindlichkeit: Skandal made in Sachsen

Erneut Fälle von Fremdenfeindlichkeit in Sachsen. Dazu ein Kommentar unseres Berliner Korrespondenten Hagen Strauß.

Erst Clausnitz, dann Bautzen - und Heidenau ist auch noch nicht so lange her. Wieder ist Sachsen Schauplatz unsäglicher Attacken auf Menschen aus Kriegsgebieten oder auf geplante Flüchtlingsheime geworden. Was ist nur los im östlichen Freistaat?

Sicher, im ganzen Land haben die Übergriffe ein erschreckendes Ausmaß angenommen. Doch in Sachsen ist die Häufigkeit offenbar besonders hoch. Das hat Gründe: Durch eine Politik des Verharmlosens und Wegschauens seitens der Landesregierung scheint sich manch einer dort regelrecht aufgefordert zu fühlen, mit Gewalt gegen Asylsuchende vorzugehen. Anders ist es jedenfalls nicht zu erklären, wieso ausgerechnet dort immer wieder der Mob unbehelligt wüten kann. Und auch das Verhalten der sächsischen Polizei ist ja nicht neu - da werden die Schuldigen vor allem unter den Opfern gesucht. Da wird Verständnis für eine geifernde Menge gezeigt. Das ist ein echter Skandal.

Anstand, Moral, Mitmenschlichkeit sind Werte, die immer häufiger von Dumpfbacken mit Füßen getreten werden. Grölend und pöbelnd. Nicht einmal mehr verängstigte Familien bleiben verschont. Stattdessen sieht man erwachsene Menschen, die auch noch stolz darauf sind, Kinder und Frauen in einem Bus zum Weinen gebracht zu haben. Diese Leute sollten sich schämen.

„Wir sind das Volk“, haben sie zudem in Clausnitz gerufen. Der Ruf der friedlichen Freiheitsbewegung in der DDR 1989 wird nun von Rechten und selbsternannten Wutbürgern beschmutzt und missbraucht. Und er richtet sich ausgerechnet gegen jene, die doch Freiheit und Frieden suchen. Das sollten sich alle vergegenwärtigen, die für sich allein in Anspruch nehmen, das Volk zu sein.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.