Kommentar zum Friedensnobelpreis: Ein politisch überfrachteter Preis

Taliban schossen Malala ins Gesicht, daraufhin wurde das Mädchen zur Ikone für Menschen- und Mädchenrechte. Nun ist die Pakistanerin die bisher jüngste Friedensnobelpreisträgerin. Mit ihr wird der Inder Kailash Satyarthi für seinen Einsatz gegen Kinderarbeit ausgezeichnet - Pakistan und Indien sind Erzfeinde. Ein Kommentar von HNA-Nachrichtenchef Tibor Pézsa.

Malala - der Vorname der jungen, gleichwohl weltberühmten Friedensnobelpreisträgerin ist ein Prädikat: Es steht für außerordentlichen Mut und Charakter. Gleiches gilt für Kailash Satyarthi und seinen Kampf gegen Kinderarbeit.

Das allein reicht in beiden Fällen zweifellos als Rechtfertigung für die Entscheidung des Nobelkomitees in Oslo. Dennoch schwingt auch in diesem Jahr wieder eine zweite Absicht mit. Denn auch diesmal ging es dem Komitee offenbar nicht nur um die Preisträger und ihre Verdienste, sondern auch um das mit der Preisvergabe verbundene politische Signal: Ein Inder und eine Pakistanerin, Repräsentanten zweier notorisch verfeindeter Atommächte -das macht sich gut, vielleicht geben sie sich in Oslo sogar die Hände.

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Doch das eine ist die erbrachte Leistung, die bewiesene Größe. Das andere ist die Hoffnung, dass es eines Tages friedlicher zugehen möge und dass ja vielleicht die Preisvergabe dazu beitragen möge.

Nichts gegen gute Taten und schöne Hoffnungen. Aber hat Barack Obama, Friedensnobelpreisträger von 2009, den Preis im Irak oder in Afghanistan verdient? Hat ihn die EU, Preisträgerin von 2012, in der Ukraine und im Mittelmeer verdient?

Schweigen ist auch eine Antwort. Politisch überladene Nobelpreise ändern nicht die Wirklichkeit, sondern beschädigen das Renommée des Preises. Und das in einem Jahr, in dem es an Krieg, Mord und Totschlag wahrhaftig keinen Mangel gab.

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