Kommentar zur Gauck-Wahl: Guter Tag für unsere Republik

Wer die Berichte der vergangenen Wochen über Joachim Gauck kontinuierlich verfolgt hat, konnte den Eindruck gewinnen, dass sich auch schon über dem nächsten Bundespräsidenten wieder dunkle Wolken zusammenzogen.

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Hatten sich Angela Merkel und ihre Union etwa wieder für den falschen Kandidaten entschieden? War Gauck als Pastor in der DDR auch wirklich revolutionär genug? Sollte er sich besser scheiden lassen, wenigstens für die CSU? War er auch immer ein guter Vater? Hat er sich etwa ungebührlich über die Occupy-Bewegung geäußert? Andere meinten, Gaucks Betonung der Freiheit sei erstens nervig und zweitens unvollständig, wenn damit nicht mindestens all das mitgemeint sei, was dem jeweiligen Kritiker so vorschwebte. Wer will noch mal, wer hat noch nicht? Schall und Rauch.

Tibor Pézsa

Nun hat es Joachim Gauck also geschafft, hat es die Bundesversammlung, haben es wir alle geschafft: Deutschland hat einen neuen Bundespräsidenten. Und es hat ihn auf eine so gelassene Weise bekommen, so humorvoll, selbstbewusst und nachdenklich, dass wir stolz sein können auf unsere demokratische Verfassung und ihre Institutionen. Es war ein Auftakt für eine vielversprechende Präsidentschaft. Selbst die auffälligen Enthaltungen bestätigen nur das positive Bild: Hier kommt kein Grüßaugust, sondern einer, der sich nicht scheuen wird anzuecken, wenn es ihm sinnvoll erscheint.

Gut so, denn dass beispielsweise Freiheit nur um den Preis der Verantwortung zu bekommen ist, ist kein wohlfeiler Spruch. Wir alle müssen dies Tag für Tag neu beweisen – im Beruf wie in der Familie. Wo das konkret wird, gibt es überraschenderweise oft großes Staunen. Gaucks Wahl war, als habe das Land erleichtert aufgeatmet. Dieser Bundespräsident wird uns mit großen Fragen und Themen konfrontieren, so viel ist sicher. Das wird uns guttun.

Von Tibor Pézsa (tpa@hna.de)

Gratulation! Unser neuer Bundespräsident Joachim Gauck

Gratulation! Unser neuer Bundespräsident Joachim Gauck

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