Kommentar zum Gazakrieg: Kein Weg zum Frieden

Die Luftangriffe auf Gaza werden heftiger, tausende Palästinenser sind geflüchtet. Ein Ende der Gewalt ist nicht absehbar. Ein Kommentar von HNA-Nachrichtenredakteur Wolfgang Blieffert.

Wer Israel dauerhaften Frieden wünscht, verzweifelt in diesen Tagen. Nicht nur wegen der drei ermordeten Religionsschüler im Westjordanland und dem Raketenhagel der Hamas auf israelische Städte, sondern auch wegen der Art und Weise, wie Israel glaubt, einen solchen Frieden erreichen zu können.

Denn so richtig es ist, dass die Regierung in Jerusalem aus Verantwortung für die Sicherheit der eigenen Bürger gegen den Raketenbeschuss vorgehen muss, so wenig Erfolg verspricht doch die seit Tagen andauernde Offensive. Weder militärisch, denn es ist bereits der x-te Versuch, den Beschuss endgültig zu beenden, noch politisch. Denn das menschliche Leid, das Luftwaffe und Bodentruppe über die palästinensische Zivilbevölkerung bringen, treibt die Palästinenser geradezu zurück in die Arme der Hamas, die sich zuletzt massiver Kritik an ihrer Misswirtschaft im Gazastreifen ausgesetzt sah.

Etwas anderes kommt hinzu: Israel droht politische Isolierung. Die Unzahl von Fotos zerstörter Wohnhäuser, weinender Mütter und toter Kinder sind wirkungsmächtiger als die Aufnahmen israelischer Zivilisten, die sich angesichts von Hamas-Raketen in Schutzräume flüchten, und die Fotos der fast schon wieder vergessenen drei toten Teenager. Im Krieg der Bilder ist am Ende zumeist der Schwächere der Sieger.

Wenn Luftangriffe und Bodenoffensive später überhaupt einen Sinn gehabt haben sollen, dann muss versucht werden, im Anschluss den Friedensprozess in Gang zu bringen. Und da von der Hamas keine Initiative zu erwarten ist - definiert sie sich doch durch Terror als Selbstzweck -, müsste Israel den ersten Schritt machen und Kompromissbereitschaft signalisieren in der Jerusalemfrage, bei der Zwei-Staaten-Lösung und dem Siedlungsausbau. Für ein Land, das zum eigenen Überleben gezwungen ist, in militärischen Kategorien zu denken, ist das nicht einfach. Aber vielleicht die einzige Möglichkeit, die Gesetzmäßigkeiten von Gewalt und Gegengewalt aufzubrechen.

Mail an den Autoren: bli@hna.de

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