Kommentar zur geplanten Merkel-Reise nach Kiew: Richtiger Besuch

Werner Kolhoff zur geplanten Merkel-Reise nach Kiew

Angela Merkel reist am Samstag in die Ukraine. Die Kanzlerin wird bei dem eintägigen Besuch mit dem Präsidenten Petro Poroschenko sowie dem Ministerpräsidenten Arsenij Jazenjuk treffen. Ein Kommentar von unserem Berlin-Korrespondenten Werner Kolhoff.

Ist es auch der Versuch, dem unablässig in Sachen Krieg und Krisen durch die Welt reisenden Außenminister Frank-Walter Steinmeier in die Parade zu fahren? Wer die Politik kennt, wer insbesondere Angela Merkel kennt, wird das als Motiv für ihre spontanen Reisepläne nach Kiew nicht ausschließen können. Die Kanzlerin hat eine feine Sensorik für zu stark werdende Konkurrenten.

Egal – denn der Besuch am kommenden Wochenende ist trotzdem ein wichtiges Zeichen zur rechten Zeit. Die Ukrainer werden mit ihm große Hoffnungen verbinden. Er wird Staatsereignis sein. Der Maidan ist aufgeräumt, der Präsident und der Bürgermeister der Hauptstadt sind demokratisch gewählt, die Hinwendung zu Europa ist durchgesetzt. Für den größten Teil des Landes ist damit die schwere politische Krise vorbei. Nun muss eine Durchdringung der Gesellschaft mit den neuen Formen einer zivilisierten gesellschaftlichen Auseinandersetzung folgen. Und der Aufbau der Wirtschaft. Das alles gilt es anzuerkennen und zu befördern, und – nach dem US-Präsidenten – kann das niemand in Kiew mit mehr Überzeugungskraft als die deutsche Kanzlerin.

Aber im Osten tobt im krassen Gegensatz dazu ein immer furchtbarer werdender Krieg mit den eigenen Bürgern und verdeckt mit dem großen Nachbarn Russland. Irgendwann wird diese schlimme Zeit hoffentlich vorbei sein, und dann müssen sich Russen und Ukrainer wieder in die Augen schauen können. Möglichst in einem dann immer noch vereinten Land. Auch ein Aufruf zur Mäßigung und Aussöhnungsbereitschaft muss deshalb Merkels Botschaft in Kiew sein.

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