Kommentar zu der gestoppten Abwanderung: "Im Osten was Neues"

Ostdeutschland erlebt einen Wandel im Zeitraffer: Seit dem Mauerfall zogen 1,8 Millionen Menschen weg. Doch nun deutet sich die Trendwende an. Allerdings profitiert davon nicht der ganze Osten. Ein Kommentar von unserem Berliner Korrespondenten Stefan Vetter.

Es gibt hartnäckige Überzeugungen, die mit der Wirklichkeit nur wenig gemein haben. Eine lautet: Die neuen Länder sind ein Fass ohne Boden. Tatsächlich wurden mit den Fördermilliarden aber keine „Klodeckel vergoldet“, wie es Iris Gleicke, Ost-Beauftragte der Regierung, jetzt auf den Punkt brachte.

Vielmehr ist die Saat der teuren Hilfsprogramme vielerorts aufgegangen. Dafür gibt es mehrere Beweise: Immerhin ist die Abwanderung aus den neuen Ländern zum Erliegen gekommen, sind Unistädte wie Leipzig oder Jena kein Geheimtipp mehr, herrscht mancherorts sogar Arbeitskräftemangel. In diesen Regionen ist der Osten schon seit längerer Zeit „Westen“ und damit ein Ausdruck von Normalität. Das hat nicht nur mit einer gut ausgebauten Infrastruktur zu tun. Zur Erfolgsbilanz gehört genauso eine spürbare Reindustrialisierung, auch wenn sie deutlich kleinteiliger ausfällt als in den alten Ländern.

Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass die wenigen „Leuchttürme“ die weiter stark schrumpfenden Gebiete nicht zu überstrahlen vermögen. In den alten Ländern gibt es zwar vergleichbare Probleme. Nur eben nicht in der Intensität. Dafür genügt ein simpler Zahlenvergleich. In Westen wird laut Prognosen 2060 fast jeder dritte Einwohner 64 und älter sein. Im Osten ist dieser Anteil schon 2030 realistisch, erklärbar aus dem Aderlass an jungen Menschen, die nach dem Mauerfall in den Westen gegangen sind. Auf diese Weise wird der Osten gewissermaßen zum Versuchslabor für eine Entwicklung, die langfristig für ganz Deutschland programmiert ist.

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