Kommentar zum Griechendrama: Kostbarer Schuldenberg

Plötzlich ging alles schnell. Athen legte eine neue Liste mit Reformvorschlägen vor; in Paris und Rom wurden optimistische Töne angestimmt. Nun schlagen die Griechen selbst vor, was sie noch bis vor kurzem unbedingt verhindern wollten. Ein Kommentar von HNA-Nachrichtenchef Tibor Pézsa.

Einmal angenommen, die Links-Rechts-Extremisten-Regierung in Athen hätte nicht in kürzester Zeit alles Vertrauen verspielt. Und auch einmal angenommen, dass die Griechen zwar mit großer Mehrheit Nein zu Reformen gesagt, aber Ja gemeint haben. Selbst dann bliebe eine wichtige Frage offen: Wer soll eigentlich wann und wie den riesigen griechischen Schuldenberg abtragen?

Hier schweigt das letzte Angebot der Griechen. Denn wahr ist: Schulden, die nicht zurückgezahlt werden, sind ebenso ein Problem des Schuldners wie des Gläubigers. Hier, im Schuldenberg, liegt das letzte Faustpfand der Griechen, das letzte Erpressungspotenzial, welches Athen gegenüber seinen so genannten Partnern noch hat. Der Schuldenberg ist politisch mehr wert als selbst die erstaunlichsten Versprechungen, die dem Land nach fünf verlogenen und verlorenen Jahren ohnehin niemand mehr glauben kann.

Niemand kann angesichts der komplexen, oft gegensätzlichen Interessen aller Beteiligten wissen, welche Richtung das Griechendrama an diesem Wochenende nimmt. Aber mit den Altschulden liegt das mächtigste Werkzeug für alle denkbaren Lösungen auf der Bühne.

Gut möglich, dass ein neuerlicher teilweiser Schuldenerlass jener Hebel wird, der den Griechen das Fenster zu einer besseren Zukunft aufstößt. Es wäre ein Geschäft: Schuldenschnitt gegen Euro-Austritt. Das wäre die beste aller möglichen schlechten Lösungen.

Rubriklistenbild: © Tibor Pézsa über den griechischen Schuldenberg als politisches Faustpfand

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