Kommentar zu Griechenland in der Flüchtlingskrise: Das schwächste Glied

Brüsseler Korrespondent Detlef Drewes über Griechenland in der Flüchtlingskrise.

Österreich kontingentiert seine Flüchtlingszahlen, die Balkanländer schließen Grenzen und Griechenland ist empört. Dazu ein Kommentar unseres Brüsseler Korrespondenten Detlef Drewes.

Es ist Europas unrühmlichste Seite, die sich gerade entlang der Balkanroute zeigt. Österreich hat eine perfide Kettenreaktion in Gang gesetzt. Als die Alpenrepublik ihre Grenze quasi dichtgemacht hat, folgten die Balkanstaaten, bis nun Griechenland als schwächstes Glied auf Zehntausenden von Flüchtlingen sitzenbleibt. Selbst ein bestens funktionierender Staat hätte Probleme, 13 676 Kilometer Küste so abzusichern, dass kein Schlauchboot mehr durchkommt.

Die Lage ist aussichtslos, weil von allen Seiten zurückgewiesene und neu ankommende Asylbewerber in das Land gepresst werden. Wie der ohnehin am Boden liegende Staat damit fertig werden soll, darauf hat die EU keine Antwort. Und die Hoffnung, dass ein Waffenstillstand in Syrien oder eine Kooperation mit der Türkei den Zustrom drosseln könnte, erscheint als frommer Wunsch. Hellas droht zum Schauplatz unmenschlicher Tragödien zu werden. In der Euro-Krise, als es um die Rettung des eigenen Geldes ging, stand die Euro-Zone zusammen. Und jetzt?

Natürlich gibt es auch Lichtblicke. Die Slowakei und das auch nicht gerade wohlhabende Portugal bieten Hilfe an. Solche Gesten lassen auf einen Rest von Solidarität hoffen. Niemand bezweifelt, dass die Länder entlang der Balkanroute überfordert sind. Aber der Alleingang Wiens löst keine Probleme, er schafft neue. Denn die Flüchtlingskrise wird damit nur verdrängt, von den eigenen Grenzen ferngehalten. Mit einer Lösung hat das nichts zu tun. 

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