Kommentar zu Griechenland: Fünf vor Zwölf

Die Zeit wird knapp für die griechische Regierung. Denn bis Freitag muss sie die nächste Schuldenrechnung begleichen. Dazu ein Kommentar unseres Brüsseler Korrespondenten Detlef Drewes.

Dass die Zeit für Griechenland abläuft oder es seit Monaten „fünf vor Zwölf“ ist, gehört inzwischen zu den geflügelten Redewendungen der Brüsseler Unterhändler. Athen hat bisher alle Ultimaten und Versprechungen verstreichen lassen, ohne zu liefern, was die Geldgeber fordern: zuverlässige und verbriefte Zusagen für eine Reformagenda.

Natürlich tut sich Premier Alexis Tsipras damit schwer. Ausgerechnet ein linker Regierungschef müsste Verstaatlichungen rückgängig machen, den Arbeitsmarkt auflockern, eine Rentenreform angehen. Dass er dabei auch in den eigenen Reihen auf erbitterten Widerstand stößt, kann man sich ausmalen.

Das haben die Europäer inzwischen verstanden und bemühen sich, den Hellenen Brücken zu bauen, die aber gleichzeitig nicht an den Tabus rütteln. Die EU hat sich dabei weit aus dem Fenster gelehnt, als sie versprach, Athen um jeden Preis im Euro halten zu wollen.

Damit hat die griechische Regierung ein Druckmittel in die Hand bekommen, das sie auszunutzen versuchte. Doch im Angesicht des erkennbar letzten Zeitpunktes für eine Einigung wird auch den Griechen klar, dass sie einlenken müssen. Es kann gut sein, dass ein Durchbruch in dieser Woche geschafft wird. Die Hinweise darauf verdichten sich.

Überfällig wäre eine Verständigung allemal. Denn auch dann, wenn man sich endlich auf eine Reformagenda und frisches Geld einigt, können die Verhandlungsführer gleich sitzenbleiben, um weiter zu reden. Denn zur Wahrheit gehört auch diese Erkenntnis: Athen braucht ein drittes Hilfspaket. Spätestens im Herbst. Das Land ist noch lange nicht gerettet.

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