Kommentar zum Griechenland-Gipfeltreffen: Zerrissenes Europa

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Auf dem Eurokrisen Gipfel wurde am Sonntag über einen vierseitigen Forderungskatalog der Euro-Finanzminister debattiert. Dazu ein Kommentar von HNA-Nachrichtenchef Tibor Pézsa.

Dass ausgerechnet der Erz-Europäer Wolfgang Schäuble mit seinem Positionspapier offenlegt, dass in der Eurozone beisammen ist, was nicht zusammengehört, passt zu der an tragischer Konsequenz reichen Geschichte dieses Jahrhundertpolitikers. Doch Schäuble macht nur sichtbar, was bis jetzt mit immer neuen Milliarden kaschiert wurde.

Es geht ein Riss durch Europa. Er spaltet Frankreich und Deutschland, den Norden und den Süden, die Reformwilligen und die anderen, und er verläuft auch zwischen der Union und Teilen ihres Koalitionspartners SPD. Der Kompromiss, der diesen Riss schließen soll, muss so beschaffen sein, dass er den Finnen und den entnervten Deutschen genauso tragbar erscheint wie Franzosen und Italienern. Rom und Paris fürchten zu Recht, dass sich das Augenmerk der Finanzmärkte nach einem Grexit auf sie richten könnte. Den heißen Atem des Front National im Nacken, bemüht sich Francois Hollande, den Europakritikern kein Erfolgserlebnis zu bescheren. 2017 hat Frankreich die Wahl.

Und die Griechen? Sie haben innerhalb der Eurozone offenbar nur noch eine einzige Chance: Ja zu sagen zu allem, was ihnen angeboten wird. Dass sie überhaupt noch etwas angeboten bekommen, ist einer der vielen Widersprüche der Eurozone. Die Griechen haben selbst ausgeschlossen, Geld anzunehmen, wenn das mit Bedingungen verbunden sein sollte. Und überhaupt: Neuerdings kann niemand sagen, ob Athen in Wirklichkeit 50, 70, 80 oder 100 Milliarden frische Euro braucht, bevor es schaffen kann, was es seit Jahren verspricht. Vielleicht.

Nein, es kann hier keine glaubwürdige Lösung mehr geben. Griechenland hat keine Zukunft im Euro, die Rettungspolitik ist gescheitert. Sie diskreditiert zunehmend die gesamte europäische Integration. Niemand kann Interesse an einem von der Not diktierten Europrotektorat haben. Die Griechen haben es bestimmt nicht.

Aktuelles zur Griechenland-Krise gibt es im Live-Ticker.

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