Kommentar zur Griechenland-Krisensitzung: Das Bangen geht weiter

Gibt es ein neues Hilfspaket für Griechenland? An diesem Wochenende muss eine Entscheidung fallen. Sie zu treffen wird immer schwerer, denn der griechische Premier Alexis Tsipras hat viel Vertrauen verspielt - ein Kommentar von Detlef Drewes

Athen bekam an diesem Samstag eine bittere Quittung für seine bisherige Politik. Nach Wochen und Monaten voller Zusagen, die gegeben und wieder gebrochen wurden, hatten die meisten Finanzminister keine Lust mehr auf irgendwelche Vorschusslorbeeren. Wer ohne Not ein zweites Hilfspaket auslaufen und sogar bereits bewilligtes Geld verfallen lässt, tut sich schwer, auf Unterstützung für ein neues Programm bauen zu können. Der Bundesfinanzminister brachte das auf den anschaulichen Punkt: Fünf Jahre nach dem Ausbruch der Schuldenkrise habe man zum Jahreswechsel viele hoffnungsvolle Ansätze gesehen. Aber alles sei mit brachialer Gewalt zerstört worden. Das ist der Punkt. Tsipras hat sicherlich keine blühenden Landschaften vorgefunden, nachdem er ins Amt gewählt worden war. Aber es gab aufbauende Signale, von denen heute nichts mehr übrig ist.

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Dennoch war an diesem Samstag allen klar, dass an diesem Wochenende eine Entscheidung fallen muss – entweder im zuständigen Rat der Finanzminister oder aber im Kreis der Staats- und Regierungschefs, die dieses Ultimatum erlassen hatten. Dass der Samstag allein keine wirkliche Klarheit bringen würde, war absehbar. Zu umstritten blieb die Reformliste, zu unverlässlich die darin angedeuteten Zusagen, deren Umsetzung teilweise erst im Herbst dieses Jahres angegangen werden soll. Das konnten sich die Geldgeber nicht gefallen lassen.

Noch vor einem Durchbruch in diesem Kreis war deshalb absehbar, dass die Staatenlenker selbst würden entscheiden müssen, ob sie den gegebenen Versprechungen trauen wollen oder nicht. Zumal die Bereitschaft, Griechenland doch weiter im Euro-Raum zu halten, in diesem Kreis größer sein würde. Doch selbst wenn am Ende dieses Wochenendes unter großen Mühen und möglicherweise auch mit letzter Großzügigkeit der Verbleib Athens in der Währungsunion gesichert ist, liegt noch ein langer und harter Weg vor den Hellenen. Denn ein drittes Hilfsprogramm ist keine Kleinigkeit. Neben einigen Parlamenten müssen immer wieder auch EU-Gremien und der IWF zustimmen. Athen wird jedes Mal aufs Neue bangen müssen.

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