Kommentar zu Griechenland: Staat ohne Hoffnung

Die Griechen feiern ihr Nein zu einem Angebot, das es gar nicht mehr gab. Und gleichzeitig geht ihnen das Geld aus. Ein Kommentar von HNA-Redakteur Wolfgang Blieffert.

Ein absurder Vorgang: Die Griechen stimmten am Sonntag über ein Auflagen- und Reformprogramm ihrer Geldgeber ab, das wegen der Verweigerung ihrer Regierung schon gar nicht mehr auf dem Tisch lag. Und als sich während der Stimmenauszählung das Nein abzeichnete, jubelten und tanzten die Menschen auf den Straßen wie 2004 nach dem überraschenden EM-Sieg.

Artikel zum Thema:

Griechen lehnen Sparvorgaben der Gläubiger klar ab

Doch hier war in Wahrheit nichts zu gewinnen. Schon am Morgen danach sind die Probleme des Landes nur noch größer geworden. Die haben natürlich mit Mega-Verschuldung und Rekord-Arbeitslosigkeit, mit Staatspleite und Grexit zu tun. Vor allem aber mit einem Staatswesen, das sein Versagen seit Jahren Tag für Tag demonstriert. Die Verwaltung arbeitet weder effektiv noch innovativ, sie bietet keine Rechtssicherheit, dafür jede Menge Schlupflöcher für Korruption und Steuerhinterziehung. Alle Oppositionsparteien haben das beklagt, kaum an die Macht gekommen, wurde praktisch nichts geändert.

So hat sich über die Jahre eine Mentalität des Staatsverdrusses breitgemacht, wo in der existenziellen Krise Gemeinsinn notwendig gewesen wäre. Diese Stimmung hat die Syriza-Partei noch auf unverantwortliche Weise geschürt. Ihr Vokabular von Erniedrigung und Demütigung, von Stolz und Kampf gegen Knechtschaft erinnerte fatal an die Rhetorik, mit der in den 20er- und 30-Jahren des vorigen Jahrhunderts in Deutschland gegen die harten Auflagen des Versailler Verträge gehetzt wurde. Das führte letztlich ins große Verderben.

Um das zu verhindern, bräuchte Griechenland jetzt dringend politische Klugheit. Bei sich und bei seinen Geldgebern.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.