Kommentar zur Griechenland-Wahl: Ein Herkules wird gesucht

Syriza-Chef Tsipras

Die Griechen haben gewählt, Syriza-Chef Tsipras wird die neue Regierung bilden. Dazu ein Kommentar von Wolfgang Blieffert.

Griechenlands Wähler mögen sich wie zwischen Skylla und Charybdis gefühlt haben, jenen Meeresungeheuern, die schon Odysseus bei der Fahrt durch die Meerenge von Messina das Leben schwer machten. Weniger mythologisch ausgedrückt: Die Griechen mussten sich zwischen zwei Übeln entscheiden.

Denn beide großen Parteien - Syriza und Nea Dimokratia - haben das Land schon einmal gegen die Wand gefahren. Die Konservativen taten dies durch jahrelange Misswirtschaft und das Ignorieren sämtlicher Probleme. Syriza-Premier Tsipras gelang dies in einer nur halbjährigen Geisterfahrt wider alle ökonomische und politische Vernunft.

Artikel zum Thema

Linke gewinnt Wahl in Griechenland

Dass ausgerechnet dieser Tsipras dennoch die Nase vorn hatte, mag der verzweifelten Lage vieler Griechen geschuldet sein, die in dem Syriza-Mann eine Art Robin Hood, einen Kämpfer für die Verarmten und Ausgegrenzten sehen wollten. Angesichts der Höhe des Problemberges ist er nun allerdings als Herkules gefragt.

Ob das gelingt, daran sind Zweifel erlaubt. Aber auch jeder andere Wahlausgang hätte kaum Anlass zu Optimismus gegeben. Denn alle Parteien Griechenlands sind mehr oder weniger mitverantwortlich für den Zustand des politischen Systems mit seinen Zügen von Vetternwirtschaft und Korruption. Diese Parteien scheinen unfähig zur Lösung von Problemen, weil sie selbst Teil der Probleme sind.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.