Kommentar zur Griechenlandkrise: Schwarzer Samstag

Die Griechenlandkrise verschärft sich dramatisch: Die Euro-Gruppe lehnt die Verlängerung des Hilfsprogramms für Athen ab. Ein Kommentar von HNA-Redakteur Jörg-Stephan Carl.

Es ist zu Ende. Oder doch noch nicht ganz? Die Euro-Finanzminister haben an diesem möglicherweise historischen Samstag der griechischen Regierung erklärt, dass sie das Land aus der Eurozone fallen lassen werden, sollte Premier Tsipras das Referendum über die Sparforderungen der Gläubiger tatsächlich abhalten lassen und zugleich für deren Ablehnung werben.

Aus ihrer Sicht konnte die Eurogruppe nicht mehr anders. Selbst die Verlängerung des Hilfsprogramms bis zum November hatte die griechische links-geführte Regierung unter den Bedingungen von Mehrwertsteuererhöhung, Rentenkürzung und drohender Kapitalverkehrskontrolle abgelehnt.

Das Doppelspiel von Tsipras, ein Referendum über diese als Giftliste empfundenen Reformforderungen vorzunehmen und zugleich für ein Nein der Bevölkerung gegen die Geldgeber zu plädieren, ließ den ellenlangen Geduldsfaden der Euro-Partner endgültig reißen.

Griechenland steht nun tatsächlich mit einem Bein über dem Abgrund. Die nun verweigerten Hilfskredite betragen 7,2 Milliarden Euro und sollten von Europa sowie dem Internationalen Währungsfonds kommen. Zudem dürfen nun elf Milliarden Euro nicht abgerufen werden, die zur Rettung der griechischen Banken reserviert waren. Der Run auf die Geldhäuser hat bereits am Freitagabend eingesetzt, manche Geldautomaten spucken schon nichts mehr aus. Es droht Dramatisches.

Ist das definitiv das Ende Griechenlands in der Eurozone? Ein aller letztes Hintertürchen haben die Euro-Finanzminister für die Athener Regierung noch einen Spalt offengelassen: Man sei bereit, „alles Notwendige zu tun, um die Stabilität der Währungsunion zu sichern“. Das kann auch heißen: Bis Dienstag hat Premier Tsipras doch noch Zeit. Er und das griechische Parlament müssten jedoch auf das Referendum verzichten. Und schließlich den Bedingungen der Gläubiger auf den aller letzten Drücker zustimmen.

Lesen Sie auch:

- Ticker: Rettungsprogramm läuft Dienstag aus

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.