Kommentar zu Griechenlands neuem Kurs: Die Wege trennen sich

Die Aufregung war groß, als der neue griechische Finanzminister den Bruch mit der Troika der Spar-Kontrolleure verkündigte. Alles nur Säbelrasseln oder steuern Griechenland und seine Geldgeber tatsächlich auf ein Zerwürfnis mit unabsehbaren Folgen zu? Ein Kommentar von HNA-Redakteur Wolfgang Blieffert.

Ja, was denn nun? Am Donnerstag sagt die neue Athener Regierung EU-Parlamentspräsident Martin Schulz zu, keine Alleingänge zu unternehmen. Am Freitag dann demonstrativ die Absage an Verhandlungen mit der Troika. Und gestern nun säuselt Ministerpräsident Alexis Tsipras etwas von Verständigung. Berechenbarkeit sieht anders aus.

In Brüssel und Berlin fragt man sich zu Recht, ob in Athen politische Rumpelstilzchen und wirtschaftliche Abenteurer am Werk sind. Oder finanzpolitische Genies, die die Gesetze der Ökonomie außer Kraft setzen können.

Die Verärgerung mag verständlich sein, sie übergeht allerdings geflissentlich die Gründe, warum Tsipras nach seinem Wahlsieg vor einer Woche jetzt den starken Mann gibt. Er steht bei den Arbeitslosen, Bettelarmen und Suppenküchengängern im Wort. Bei Menschen, die für das jahrzehntelange Versagen der Eliten in Politik und Wirtschaft am wenigsten verantwortlich gemacht werden können. Und die verzweifelt versuchen, die Krise zu bewältigen, für die sie die Schuldigen in Brüssel und Berlin ausmachen.

Dort aber hält sich die Bereitschaft für einen weiteren Schuldenschnitt in engen Grenzen. Er ist ökonomisch problematisch. Und vor allem politisch heikel. Die Deutschen etwa würden laut Umfragen Griechenland gern helfen. Aber wenn es ihnen ans eigene Geld geht, droht jeder Regierung Ungemach. Die AfD wartet nur drauf.

So wie sich die neue Athener Regierung verhält, sieht also alles eher danach aus, dass sich jetzt die Wege trennen. Ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone schreckt niemanden mehr.

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