Kommentar zur griechische Europa- Tournee: Nur noch einmal?

+
Finanzminister Schäuble und sein griechischer Amtskollege Varoufakis.

Finanzminister Schäuble und sein griechischer Amtskollege Varoufakis sind sich bei ihrem ersten Treffen zur Schuldenkrise keinen Schritt näher gekommen. Ein Kommentar von Tibor Pézsa.

So hätte es weiterlaufen können: Griechenland finanziert die Wahlversprechen seiner neuen Links-Rechts-Regierung mithilfe von kurzfristigen Staatsanleihen alle paar Monate neu. Doch die Europäische Zentralbank, welche diese wunderbare Einnahmequelle bislang mit fest geschlossenen Augen auf Basis von griechischen Ramschpapieren absicherte, sagt plötzlich: Nein, 15 auf diese Weise verfeuerte Milliarden sind genug. Kein Wunder, dass der freie Markt von den Griechen gestern umgehend einen realistischen Risikozuschlag für Anleihen mit zweijähriger Laufzeit verlangte: fast 20 Prozent. Unbezahlbar. Den Ausschlag für die EZB wird die Dreistigkeit gegeben haben, mit der die neue griechische Regierung klargestellt hat, nicht nur weiter auf anderer Steuerzahler Kosten leben zu wollen, sondern sich auch noch einen Schluck mehr aus der Pulle zu genehmigen. Das aber würde die gesamte europäische Rettungspolitik ins Absurde führen.

Die Europa-Tournee der griechischen Polit-Rocker gleicht immer mehr der Randale eines Alkoholkranken, dem die Mutter zum ersten Mal nicht wieder heimlich Likör ans Bett gestellt hat. Aber hat das griechische Volk nicht ganz demokratisch beschlossen, dass es noch viel stärker beliefert werden muss? Wenigstens noch einen Überbrückungskredit, bis Alexis Tsipras und Giannis Varoufakis die drängendsten Probleme im Land geklärt haben? Ganz bestimmt? Nur noch einmal? Nein. Verträge sind einzuhalten. Und das nicht etwa, weil Deutschland seine Nazi-vergangenheit nicht überwunden hätte, sondern weil auch estnische Rentner, slowakische Arbeitslose und italienische Handwerker kein Interesse daran haben, reichen Griechen das Steuerzahlen und dem Land eine seriöse Regierungsführung abzunehmen. Links-rechte Sprüche hin oder her, Griechenland muss liefern. Seine Partner haben es längst getan.

Mail an den Autor:  tpa@hna.de

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.