Kommentar zu den grünen Spitzenkandidaten: Partei im Höhenrausch

Nun hat auch Cem Özdemir seinen Hut in den Ring geworfen: Er will männlicher Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl im nächsten Jahr werden. Dazu ein Kommentar unseres Berliner Korrespondenten Stefan Vetter.

In den meisten Bundesländern sitzen die Grünen mittlerweile am Regierungstisch. Eine Partei im Höhenrausch. Da ist es auch menschlich, wenn die Grünen bereits auf einen Coup im Bund sinnen. Schon länger laufen sich grüne Promis für die Spitzenkandidatur ihrer Partei im kommenden Wahljahr warm. Seit dem Wochenende auch Cem Özdemir. Und noch weitere Bewerber und Bewerberinnen dürften hinzukommen. Denn die Aussicht auf einen Spitzen-Posten in einer nächsten Bundesregierung ist ja auch sehr verlockend.

Dabei müsste die Partei eigentlich gewarnt sein. Seit dem rot-grünen Scheitern vor mehr als einem Jahrzehnt hat man drei Mal in Folge auf ein grünes Wunder gesetzt. Und drei Mal ging es gründlich schief. Seit 2005 hat es für Rot-Grün rechnerisch nicht mehr gereicht.

Deshalb aber jetzt nur noch „Schwarz“ zu sehen, wie es Özdemirs Antreten symbolisiert, könnte sich ebenfalls als Enttäuschung entpuppen. Die Union besteht ja nicht nur aus der CDU, mit der man wohl einigermaßen klar käme. Das Problem ist die CSU. Von ihr wurden die Grünen gerade erst zum größten Konkurrenten erklärt.

Das Fell des Bären ist also noch längst nicht verteilt. Auch wenn das Schaulaufen für die grüne Spitzenkandidatur einen anderen Eindruck erwecken mag.

Lesen Sie dazu:

- Politologe Hubert Kleinert: Neue Parteien stehen in schwierigem Spagat

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