Kommentar zum Hoeneß-Prozess: "Auf extrem dünnem Eis"

HNA-Redakteur Jörg S. Carl.

München. Uli Hoeneß hat zum Auftakt des Strafprozesses eine Steuerhinterziehung von insgesamt 18,5 Millionen Euro eingeräumt. Der Betrag ist rund fünfmal so hoch wie von der Staatsanwaltschaft angenommen. Ein Kommentar zum Prozess von Politik-Redakteur Jörg S. Carl.

Uli Hoeneß war ein Zocker. Er sei spielsüchtig gewesen, sagt er. Diejenigen, die ihm den Zustand des Krankseins nicht abnehmen, nennen es gierig: Gier frisst Hirn. Die Fakten, die diese Gefräßigkeit hervorgebracht hat, sind erst jetzt vor Gericht klar geworden: 50.000 Transaktionen hat es auf seinem Konto in zehn Jahren gegeben, 33 Millionen Euro Einkünfte hat der Fußball-Manager verschwiegen, 18,5 Millionen Euro Steuern hat er hinterzogen.

Trotz seiner Reuebekundungen hat Hoeneß die Verantwortung dafür gestern nicht übernommen – aber eben auch nicht von sich gewiesen: Er habe sich auf seine Bankberater verlassen, nicht zeitig stopp gesagt, Belege nie gesehen, den Überblick verloren. Jetzt sieht Hoeneß wieder gut: Der Selbstanzeige fügte er die schockierende Einlassung hinzu, dass die Steuerschuld fünfmal so hoch ist, wie ihm die Anklage vorwirft. Ein Eingeständnis, das seine Rückkehr zur Glaubwürdigkeit unterstreichen und so die Hoffnung auf die Milde des Gerichts nähren soll.

Die Strategie der Verteidigung erinnert an den verzweifelten Eierdieb, der bittet, ihn nicht so hart zu bestrafen, weil er ja auch Hühner gestohlen habe, was aber wohl niemand bemerkt hätte, wenn er es jetzt nicht gestehen würde. Kurzum: Es ist der Kriechgang auf extrem dünnem Eis. Das rettende Ufer ist seit Montag noch weiter entfernt. Wenn Hoeneß vollends einbricht – es würde niemanden mehr wundern.

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