Urteil des Bundesarbeitsgerichts

Kommentar zu Arbeitszeugnissen: Inflation der netten Worte

Das Bundesarbeitsgericht hat sich mit Zeugnissen befasst und befunden, dass Nettigkeiten Grenzen haben. HNA-Redakteurin Barbara Will findet das richtig.

Dass Arbeitszeugnisse wohlwollend klingen müssen, ist eine eherne Regel und die Quelle inflationärer Nettigkeit. Sie lässt Personalmanager die Kunst üben, mit guten Worten Böses zu sagen. Entstanden ist ein verkrampfter Code, dessen Entschlüsselung längst in Ratgebern nachzulesen ist.

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Dass im aktuellen Fall die Arbeitsgerichte zweier Instanzen bezweifelten, ob „befriedigend“ im Zeugnis wirklich befriedigend heißt, belegt, wie sehr die Bewertungsskala in den Beurteilungen zusammengebrochen ist. Doch ein gutes Zeugnis für jeden ist ungerecht gegenüber guten Mitarbeitern. Die Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts ist deshalb fair und klug. Mit einem höchstrichterlichen Segen für die Wohlwollens-Flut hätte es den Arbeitnehmern einen Bärendienst erwiesen.

Das Arbeitszeugnis droht zur Phrasensammlung zu verkommen. Es ist höchste Zeit für Klartext. Warum geben Arbeitgeber ihren scheidenden Mitarbeitern nicht ein Berufsprofil mit auf den Weg, das ihre Tätigkeiten ebenso beschreibt wie die Fähigkeiten, die es verlangt? Damit wäre viel Konfliktstoff vom Tisch. Arbeitgeber lassen sich ohnehin nicht allein durchs Zeugnis von einem Stellenbewerber überzeugen – gerade sie wissen schließlich, wie Zeugnisse entstehen.

E-Mail an die Autorin: wll@hna.de

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