Kommentar zu Israels Regierungschef: Tiger im Käfig

Warum die Bundeskanzlerin Angela Merkel trotz der historischen Verantwortung mit Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu Klartext redet. Ein Kommentar von HNA Jörg S. Carl.

Benjamin Netanjahu gleicht einem Tiger, der in seinem zu engen Käfig nicht mehr ein noch aus zu wissen scheint. Eingezwängt zwischen dem Druck radikaler jüdischer Siedler, palästinensischer Terroristen und internationaler Isolation, neigt er zu Übersprungshandlungen und Irrationalität. Oder glaubt Israels Premier tatsächlich an das, was er sagt?

Seine Sicht auf die verantwortlichen Schuldigen für den Holocaust, die die Geschichte absichtlich verdreht, soll das Feindbild Palästinenser stärken. Doch am meisten schadet sich Netanjahu selbst, weil er Gefahr läuft, sogar im eigenen Land nicht mehr ernst genommen zu werden.

Mit seinen Einlassungen hat er auch die Kanzlerin in neue Verlegenheit gebracht. Wie soll sie sich verhalten gegenüber einem Mann, dessen Politik sie ohnehin oft kritisiert hat, weil er nicht Lösung, sondern Teil des Problems ist? Es ist immer ein heikler diplomatischer Balanceakt, gegenüber Israels Regierungschef Verwunderung und Distanziertheit auszudrücken, ohne das freundschaftliche Verhältnis beider Länder ernsthaft zu belasten.

Deutschlands Aufgabe verlangt eine hohe Sensibilität: einerseits der Bedrohungslage durch den Terror auf Israels Straßen Rechnung zu tragen, andererseits nicht auf Forderungen nach einer Zwei-Staaten-Lösung zu verzichten. Die Anstrengung lohnt sich im Sinne beider Konfliktseiten - weil nur durch eine solche Lösung ein Nahost-Frieden auf lange Sicht möglich wird, nach dem sich alle jenseits der radikalen Lager sehnen. Ob Netanjahu das in seinem jetzigen Zustand begreift?

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