Kommentar zu 40 Jahren Ikea in Deutschland: "Billy und wir"

Nordisches Design für den Massengeschmack: Ikea ist eine feste Größe im globalen Möbelgeschäft geworden. Vor 40 Jahren starteten die Schweden in Deutschland. Dazu ein Kommentar von Nachrichten-Redakteur Ullrich Riedler.

Manche Erinnerung hält ein Leben lang. Billy zum Beispiel. Mit seinem Pressspan fast so schwer wie ein Panzerschrank, wuchtete ich ihn beim ersten Umzug mit meiner Freundin fluchend drei quälend hohe Altbaustockwerke hinauf. Um uns danach ans Zusammenbauen zu machen. Wenn nicht gerade eine Schraube fehlte, konnte sich die Prozedur über Stunden hinziehen. Anekdoten über Montage-Missgeschicke sind Legende. Später dünstete der Regal-Kerl auch noch Formaldehyd aus.

Unsere Sympathie blieb ungebrochen. Denn Ikea war der Rock’n’Roll der Einrichtungskultur. So wie die Popmusik und das Kino für ganze Generationen die Grenze zu den Eltern bildete, wurde die lässige Schwedenlinie, die uns trotz wiederkehrender Ärgernisse umso stärker mit der Marke verband, zum identitätsstiftenden Wohnvergnügen jenseits von Eiche rustikal.

Wir wussten, dass der Satz im ersten Katalog stimmen musste: „Wer jung ist, hat mehr Geschmack als Geld.“ Den Bummel durch die Lagerhallen- ästhetik auf grüner Wiese versüßten uns dann auch noch oft die Namen der guten Stücke. Nein, es konnten keine schlechten Menschen sein, die ihre Artikel als „Pax“ (Kleiderschrank), „Poäng“ (Schwingsessel) und „Sultan“ (Matratze) auswiesen.

So haben die Schweden von Anfang an den Zeitgeist getroffen. Und auch nach 40 Jahren lassen sie keine Anzeichen einer Midlife-Krise erkennen. Denn Ikea ist zum Lieblingsmöbelhaus der Deutschen geworden. Man könnte es auch rock’n’roll-gemäß mit Bob Dylan sagen: Forever young.

Kontakt zum Autor: rie@hna.de

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