Kommentar zum 70. Jahrestag zur Befreiung von Auschwitz

Vor genau 70 Jahren befreite die Rote Armee das Konzentrationslager Auschwitz, für tausende Insassen hatten Todesangst und Entbehrungen ein Ende. Ein Kommentar von Wolfgang Blieffert.

Am 60. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz sprachen zumeist Politiker. Diesmal sollen vor allem die Opfer zu Wort kommen. Vielleicht zum letzten Mal.

70 Jahre nach dem Ende des großen Mordenswird die Zahl jener kleiner, die noch selbst vom Holocaust berichten können. Das langsame Abtreten einer Erlebensgeneration bedeutet stets eine Zäsur. Geschehnisse nur noch durch die Brille der Experten, Historiker und Politikwissenschaftler zu sehen, ist nun einmal etwas anderes, als Zeitzeugen zu lauschen.

Umso wichtiger ist es an diesem 70. Jahrestag, genau hinzuhören, was die Opfer zu berichten haben. Denn inzwischen mag erforscht sein, wie die Nazis an die Macht kamen, wie sich die Deutschen mit dem Unrecht arrangierten, wie sie wegschauten oder mithalfen. Aber warum sie diesen Zivilisationsbruch so geschäftsmäßig abwickelten, entzieht sich bis heute rationalen Deutungen. Zumeist waren keine Monster am Werk, sondern ganz „gewöhnliche Menschen“, wie sie der Historiker Christopher Browning nannte.

Mit dem Wissen um Auschwitz haben die Väter und Mütter des Grundgesetzes Artikel eins formuliert: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Ein Blick in die Welt zeigt, dass der Satz nichts von seiner Berechtigung verloren hat.

Mail an den Autor:  bli@hna.de

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