Kommentar zum Jerusalem-Konflikt: Die isolierten Bittsteller

Wie geht es weiter im Konflikt um den Status von Jerusalem? Unser Kommentar wirft einen Blick auf die Lage der Palästinenser. Ein Kommentar von Jörg S. Carl.

Die Palästinenser sind auch deshalb Verlierer der US-Entscheidung, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, weil ihnen die starken und verlässlichen Partner in der arabischen Welt fehlen. Saudi-Arabien, Katar und Ägypten haben zurzeit mit sich selbst oder IS-Terror genug zu tun. Überdies haben sie sich auch in der Vergangenheit um die palästinensische Frage nur widerwillig gekümmert.

Den Palästinensern fehlt nach Donald Trumps Erklärung also nicht nur die politische Perspektive auf eine wie auch immer geartete Eigenstaatlichkeit, es fehlt auch jemand, der ihren Forderungen auf internationaler Ebene Druck verleihen kann. Auf sich allein gestellt, werden sie sich unter einer rechts-nationalen israelischen Regierung stets als besetzte, gedemütigte Bittsteller fühlen, die die Intifada als einzigen Ausweg begreifen. Es wäre nicht das erste Mal: Politische Schwäche und Marginalisierung drohen in kollektiver Verzweiflung und Frustration zu enden - mit all ihren gefährlichen Folgen.

Der Gazastreifen ist nach Jahren des Hamas-Regimes und der israelisch-ägyptischen Blockade paralysiert, das Westjordanland leidet unter der Lethargie von Uralt-Präsident Mahmud Abbas. Und nun fällt mit den USA auch noch ein bisher relativ engagierter Vermittler aus, der immer dann gerufen werden konnte, wenn vor Ort das Knäuel aus Interessen, Forderungen und Misstrauen nicht mehr zu entwirren war.

Wohin sich also noch wenden? Die vage Aussicht der Palästinenser auf Hilfe aus der Erdogan-Türkei, vom Mullah-Staat Iran oder von der extremistischen Hisbollah lässt Schlimmes erahnen.

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