Kommentar zu judenfeindlichen Demos in Deutschland: "Wehret den Anfängen"

+
Szene einer pro-palästinensischen Demonstration in Berlin: Ein Plakat zeigt Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu als blutsaugendes Monster mit dem davidstern auf der Stirn.

Kassel. Die Nahost-Krise löst Demonstrationen auch in Deutschland aus, die teils antisemitische Auswüchse haben. Dazu ein Kommentar von HNA-Nachrichtenredakteur Tibor Pézsa:

Nie wieder Opfer sein. Das ist die traumatische Erfahrung Israels aus dem Holocaust. Nie wieder Täter sein. Das ist das Gegenstück auf deutscher Seite.

Hier wie dort prägt der historische Horror das Denken und Fühlen, das Selbstverständnis unserer Gesellschaften. Das taugt zwar nicht sonderlich gut als Entschuldigung für alle möglichen Versäumnisse und Fehler. Aber es erklärt einige.

Lesen Sie auch

- Merkel verurteilt antisemitische Parolen

- Judenhass bei Israel-Demos: Regierung alarmiert

- Israel bombadiert Krankenhaus in Gaza

Zum Beispiel den deutschen Umgang mit Ausländern und Einwanderern. Vor dem Horizont unserer historischen Erfahrung sind wir uns selbst verdächtig geworden. Konflikte? Wir versuchen auch nur die Berührung mit ihnen zu vermeiden, wo immer es geht, schon sprachlich. Als ob Roma, Libanesen, Nigerianer, Serben sich in Deutschland willkommener fühlten, wenn man sie neudeutsch als „Migranten“ erst in einen Topf wirft und dann kollektiv in diesem ausgrenzt.

Multikulti funktioniert auf Basis rechtsstaatlicher Prinzipien - oder es funktioniert nicht. Auf deutschen Straßen und Plätzen werden nun aber wieder judenfeindliche Parolen gebrüllt. Und dies, wie es scheint, von Einwanderern, von denen wir glaubten, dass sie bei uns doch eigentlich Schutz vor Intoleranz, Gewalt und Unrecht suchten.

Ausländerfeindliche, rassistische Ausländer? Das überfordert unsere gepflegte, wohlfeile Nichtbefassung. Wir müssen genauer hinschauen. Denn die Wahrheit ist: Die meisten Einwanderer sind bei uns willkommen. Aber nicht jeder. Diejenigen, die unseren Rechtsstaat ablehnen, sind nicht willkommen.

Merkwürdig: Warum hat es hierzulande eigentlich keine Demonstrationen dagegen gegeben, dass Islamisten in Syrien und im Irak Frauen steinigen, Gefangene abschlachten und Christen vertreiben? Warum protestiert niemand dagegen, dass in Nigeria massenhaft Mädchen entführt und Lehrer gemordet werden? Dass Islamisten in Mali und Afghanistan unersetzliches Kulturgut zerstören, dass Muslime gegen andere Muslime Giftgas einsetzen? Dass die Hamas tausende Zivilisten getötet hätte, wenn Israel ihre Raketen nicht abgewehrt hätte?

Der Islam gehört zu Deutschland? Ja, das tut er, aber gewiss nicht seine intoleranten, gewalttätigen Erscheinungsformen. Im Gegenteil: Wehret den Anfängen. Israel gehört zu Deutschland. Und umgekehrt. tpa@hna.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.